Es wäre eine gründliche Recherche wert, ob die „Krone“ nach wie vor in Händen der Familie Dichand ist oder inzwischen den Eigentümer gewechselt hat und vom ÖVP-Klub aufgekauft worden ist, dem sie mittlerweile fast schon so unverschämt offen Rosen streut wie sonst nur der „Kurier“ dem Raiffeisen-Konzern.

Diese Herzlichkeiten erreichten kürzlich ihren unrühmlichen Höhepunkt, als sich ausgerechnet Michael Jeannee zum Vorkämpfer der politischen Korrektheit hochstilisierte und Efgani Dönmez‘ Aussagen gegen die „Karriere einer jungen deutschen SPD-Politikerin“ „inakzeptabel“ nannte.

Vermutlich so „inakzeptabel“ wie im letzten EU-Wahlkampf die berechtigte Zuwanderungskritik des ZZ-Herausgebers, dessen „Rassismus“ für Jeannee seinerzeit „unwiderlegbar auf dem Tisch“ lag.

Die Feststellung traf Jeannee übrigens kurz bevor er selbst der deutschen Nationalmannschaft einen „Endspielsieg“ verhieß, sie „heute die Brasilianer und morgen die ganze Fußballwelt“ erobern ließ und das spießige SPÖ-Fräulein Heinisch-Hosek als „Politfurunkel“ brandmarkte.

Da sitzt er nun also in seiner kleinen Schreibstube in der Muthgasse oder vor einem Gläschen Riesling bei einem Heurigen in Döbling und echauffiert sich gewohnt pathetisch über den „Sexismus“ des Herrn Dönmez: „tiefer geht’s nicht!“ – während ihm vielleicht gerade eine schmucke Sekretärin die tägliche „Fußmassage“ gibt – wie seinerzeit Dustin Hoffmann, dem "Opfer des absurden, grindigen, grotesken Weinstein-Fiebers".

Alles kein Problem, Herr Jeannee. Wünschen’s den Deutschen ihren Endspielsieg, stellen’s das Politfurunkel Heinisch-Hosek an den Pranger, und lassen Sie sich ruhig von Ihrer Sekretärin die Füß‘ massieren. Nur bitte: Bleiben’s unkonventionell! Der „Gutmensch“ steht Ihnen nicht! Dem „Basti“ vielleicht – Ihnen nicht!

p.s. Hätte sich Sebastian Kurz vor die Presse gestellt und in gewohnter Polit-Manier gesagt: „Efgani Dönmez hat mir im Rahmen eines klärenden Gesprächs unmissverständlich dargelegt, dass seine Nachricht weitestgehend missinterpretiert wurde, dass er in Zukunft vorsichtiger sein wird in der Wortwahl seiner ‚Tweets‘ und dass er allen, die sich dennoch gekränkt gefühlt haben sollten, sein tiefstes Bedauern zum Ausdruck bringen möchte.“ – verteidigt hätten’s den Herrn Dönmez wie ein Löwe – dieses "Opfer des absurden, grindigen, grotesken Weinstein-Fiebers." Aber so … Wenn der Basti pfeift, springt er halt, der Michl! Schad!

[Text: A.L.; Bild: Wikipedia/Aschroet; Lizenz: CC0 1.0]