Mit klassischen FPÖ-Themen versuchte sich bisher die Nachwuchshoffnung der krisengebeutelten ÖVP, Sebastian Kurz, bei den Wählern im Inland zu profilieren. Vor allem bei Themen der Zuwanderung, der Handhabung des Asylwesens, aber auch in Fragen der Sicherheitspolitik punktete er mit Positionen, die man bei Strache & Co. stets als populistisch, ausländerfeindlich, ja auch als inhuman apostrophiert hatte. Bei Kurz, der damit so manches Mal auf Konfrontationskurs mit der Regierung, der er ja selbst angehört, ging und sich auch innerhalb seiner ÖVP als Alternative zu Parteichef Reinhold Mitterlehner ins Spiel brachte, wurde das von den Medien dagegen eher „als Stimme der Vernunft“ dargestellt.

Nun ist der österreichische Außenminister turnusgemäß der Vorsitzende der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Als solcher nimmt er an der Sitzung des Sicherheitsrates der UNO in New York teil und trifft den neuen Generalsekretär der Vereinten Nationen, den Portugiesen Antonio Guterres.

In diesem Zusammenhang gab er der APA ein Interview. Und siehe da, plötzlich wird seine Sprache eine andere. Seine Kritik an der Amtsführung des neuen amerikanischen Präsidenten Donald Trump begründet er unter anderem mit dessen beabsichtigten Einreiseverboten für Angehörige einzelner islamischer Länder. Er „befürchte die Diskriminierung von Religionsgemeinschaften“, meinte er und der Einreisestopp würde „kein Mehr an Sicherheit“ bringen. Eine Aussage, die völlig im Gegensatz zu seinen in Österreich gestellten Forderungen steht. Da war es das Dichtmachen der Grenzen, die Eindämmung des Asylunwesens und die Schließung der Balkanroute, die ihm scheinbar am Herzen lag.

Es geht also bei Kurz nicht um eine politische Überzeugung oder gar um ein Programm, sondern, wie bei so vielen seiner Kollegen, lediglich um Effekthascherei und Liebdienerei an seinem Publikum.

 

[Text: W. T.; Bild: Dragan Tatic]