Das Gutmenschentum in Berlin treibt neue und geradezu skurrile Blüten. Nachdem es im Görlitzer Park immer wieder zu massiven Problemen kommt, vor allem mit Drogendealern – erst unlängst wurde ein 17-Jähriger, der sich bei seinen Geschäften von Ordnungshütern gestört fühlte, rabiat und brach einer Polizistin das Jochbein –, hat nun das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg eine Lösung gefunden. Im Auftrag des grünen Bezirksstadtbaurates Hans Panhoff hat eine Arbeitsgruppe aus Anwohnern, Sozialarbeitern und Mitarbeitern des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg in mehrmonatiger Arbeit mit dem 55-seitigen seitigen „Handlungskonzept Görlitzer Park“ ein geradezu weltfremdes Konzept entwickelt.

Denn anstatt die in dem Papier genannten Probleme wie Drogenhandel, Vermüllung, campierende Familien aus Südosteuropa, Belästigung durch Musik und Böller, anzugehen, setzen die Verantwortlichen in ihren Handlungspapier auf ein „integratives Gesamtkonzept“. „Richtschnur unserer Überlegungen ist, dass die Menschen, die derzeit den Park nutzen, nicht verdrängt werden sollen“, heißt es. Dafür sollen etwa drei Sozialarbeiter den Gruppen im Park helfen, sie beraten und Alternativen anbieten.

Wie Diplompädagogin Astrid Leicht, die als Geschäftsführerin des in der Drogenberatung tätigen Vereins „Fixpunkt“ an der Erarbeitung des Konzepts beteiligt war, erklärt, gäbe es derzeit im Park keine Angebote, die sich an Männer aus afrikanischen Ländern richten würden. Diese könnten nicht in ihre Herkunftsländer zurück, dürften aber auch nicht legal in Deutschland bleiben und deshalb sei der Drogenhandel der einzige Weg Geld zu verdienen. „Diese Männer stellen inzwischen eine nennenswerte Community dar, die man ansprechen muss. Bisher hat sie aber keiner angesprochen. Unsere Minimalerwartung ist, dass wir so einwirken können, dass die Nachbarschaft sich nicht mehr durch den Drogenhandel gestört fühlt und dass die Männer überleben. Unsere Vision ist, dass diese Nutzer des Parks nicht verdrängt, sondern langfristig eine andere Rolle einnehmen“, so die Diplompädagogin. Eigentlich eine Bankrotterklärung des Staates, anstatt Illegale und Kriminelle abzuschieben, soll geredet werden.

 

[Text: M. H.; Bild: paul stumpr/flickr]