Im Unterschied zu Alfred Gusenbauer oder Wolfgang Schüssel hat es Reinhold „Django“ Mitterlehner schwer. Entweder fehlt es ihm an Mut und Initiative oder an Netzwerk und Geschick. Obwohl seit über einem Jahr aus der Politik ausgeschieden, scheint er noch immer an einem postparlamentarischen Trauma zu leiden. Also verbeißt er sich aus gekränkter Eitelkeit über das konsequente Desinteresse an seiner schillernden Persönlichkeit seit geraumer Zeit in müder Regierungskritik und innerparteilichen Angriffsmanöver gegen seinen erfolgsverwöhnten Nachfolger.

Während bei „Gusi“ die Millionen springen, sucht Mitterlehner scheinbar krampfhaft nach einem neuen Job und wird nicht so recht fündig. Sogar daran gibt er Sebastian Kurz die Schuld: Dieser hätte ihm die Nationalbank-Präsidentschaft 2017 zweimal angeboten, zog dann allerdings Harald Mahrer vor. Das schmerzt natürlich einen erfolgreichen Wirtschaftsmann wie Mittlerlehner, der es fast geschafft hätte, die Staatschulden am Wachstum zu hindern, enorm.

Stattdessen durfte er die Nachfolge Karlheinz Töchterles in der ÖFG antreten – als „Präsident“ sogar. Da allerdings aufgrund der Bedeutungslosigkeit dieser Organisation kein Leser wissen wird, wovon die Rede ist, hier die Aufklärung: von der 1977 gegründeten „Österreichischen Forschungsgemeinschaft“. Allerdings scheint sie ihn so wenig auszulasten wie sein eigengeründetes Unternehmen für „Unternehmensberatung, Strategieberatung und Internationalisierungsberatung“ – klingt spannend –, sonst hätte er sich nicht auch noch um die Nationalbank gerissen.

Bei einer so regen wirtschaftlichen Tätigkeit ist es geradezu selbstverständlich, sich um den „Nachwuchs“ zu sorgen. Und da Asylanten weithin als gefügige und billige Arbeitskräfte gelten, macht sich der schlaue „Django“ nun öffentlich für sie stark. An der Seite seines vormaligen Intimfeinds, des Kanzlers a.D. Christian Kern, mit dem ihn nicht nur eine streitgesäumte Arbeitsperiode, sondern vor allem die Unbarmherzigkeit des Schicksals eint: die Versenkung durch Sebastian Kurz.

Da ist es nur ökonomisch rational, die Aggressionen zu bündeln und gemeinsam gegen den Erzfeind vorzugehen. Allerdings äußerst wirkungsarm, wenn zwei Libellen gegen ein Windrad anfliegen.

[Text: A.L.; Bild: Wikipedia/Franz Johann Morgenbesser; Lizenz: CC BY-SA 2.0]