Man hat ihn belächelt, dann kritisiert, schließlich verteufelt. Jörg Haider hatte schon bald nach der Übernahme seiner Obmannschaft das „Quereinsteigertum“ in der FPÖ eingeführt. Die Überraschung in der Öffentlichkeit war ihm sicher, die Verärgerung langdienender Parteifunktionäre ebenso. Es war auf jeden Fall ein Kontrastprogramm zu der klassischen Struktur von SPÖ und ÖVP. Während bei den Roten ein jahrzehntelanges Hinaufdienen in Bezirksorganisationen letzten Endes zu einem Nationalratsmandat führte, musste man sich bei den Schwarzen in der bündischen Organisation zurechtfinden.

Auf einmal wurden bekannte Personen politische Mandatare, die vielfach ohne jegliche einschlägige Erfahrung in das kalte Wasser gestoßen wurden. Der langfristige Nutzen blieb zumeist aus. Nach dem Erfolgslauf Haiders hat dann auch die ÖVP in wesentlich geringerem Ausmaß diese Methode des, wie es bei Haider genannt wurde, Populismus mit Prominenten, übernommen. Kurz, der sich ja alle Vollmachten in personeller Hinsicht hat geben lassen, ist nun dabei, selbst Jörg Haider in dieser Hinsicht zu übertreffen.

Mit Josef Moser kommt ein ehemaliger Zögling Jörg Haiders zu den „Kurzen“. Nach dem Klub der Freiheitlichen und dem Rechnungshof soll nun dem eigentlich pensionsreifen Moser die Liste Kurz im künftigen Nationalrat die Plattform für die offenbar schon so sehr vermisste Öffentlichkeit bieten. Die FPÖ nimmt den Frontenwechsel ihres ehemaligen Klubdirektors eher locker. Generalsekretär Kickl vermutet in einer Aussendung, dass sich Moser, der sich einst als Rechnungshofpräsident sehr kritisch über die ÖVP und ihre Regierungspolitik geäußert hat, nun genau dieser anpassen wird.

„Der Zug zur Macht und in die Öffentlichkeit nach ein paar Monaten der Absenz vom RH-Präsidentenamt sei bei Moser offenbar stärker als das Bedürfnis nach Kontinuität im Reformbemühen.“ Dass sich der einst geachtete Rechnungshofpräsident selbst damit nichts Gutes tut, ist auch klar: „Für Moser und für seine bisherige Arbeit finde ich es schade, dass es so gekommen ist. Für die ÖVP ist er nicht mehr als ein zusätzlicher PR-Aufputz auf ihrer Liste für die Zeit vor der Wahl. Die ÖVP der Sobotkas, Leitls, Karas und Co. lacht sich ins Fäustchen“, urteilte Kickl.

 

[Text: W. T.; Bild: Johannes Zinner/SPÖ Presse und Kommunikation]