Boliviens Staatspräsident Evo Morales befindet sich derzeit auf Besuch in der Bundesrepublik Deutschland. Das wird jedoch von den Systemmedien verschwiegen, weil das erste indigene Staatsoberhaupt des Andenstaates ein deklarierter Gegner der USA und ihrer Hegemonialpolitik ist. Wie sich Washington gegenüber ihn und Bolivien verhielten, konnten gut 2.000 Zuhörer erfahren, die zu einem Vortrag gekommen waren, den Morales an der Technischen Universität in Berlin hielt.

Demnach habe zu Beginn des Wahlkampfes 2002 der damalige US-Botschafter in Bolivien, Manuel Rocha, gedroht, dass Bolivien Unheil drohe, sollten sie den „andinen Bin Laden“ – gemeint war Morales – wählen. Kurz vor der Wahl stieß Rocha neue Drohungen aus: „Wenn ihr Morales wählt, werden die USA ihre Entwicklungshilfe streichen und ihre Märkte für Bolivien schließen.“ Wie Morales erklärte, motivierte das viele zusätzliche Bolivianer, ihm seine Stimme zu geben.

2005 wurde Morales schließlich zum Präsidenten des armen Andenlandes gewählt, und der Sozialist machte sich sogleich daran, seine Wahlversprechen einzulösen und Politik für die weitgehend in bitterer Armut lebenden Indios zu machen. Das wiederum stieß den USA sauer auf, weil sie ihre wirtschafts- und geopolitischen Interessen in ihrem südamerikanischen „Hinterhof“ gefährdet sahen.

Daraufhin unterstützte Washington über die US-Botschaft in Bolivien Separatistenbewegungen, bis Morales der Kragen platzte: „Wir sahen uns dann 2010 gezwungen, den US-Botschafter aus dem Land zu werfen. Ohne Angst vor dem Imperium erklärte ich Herrn (Philip) Goldberg (US-Botschafter seit 2006) zur persona non grata. Seitdem haben wir relative Ruhe im Land.“

 

 

Text: B. T.
Bild: Joel Alvarez/wikimedia.org