Fünf Jahre nach Beginn des vom Westen unterstützten Aufstands gegen Machthaber Muammar al-Gaddafi herrscht in Libyen Chaos und Gewalt. In Tobruk im Osten des Landes residiert die international anerkannte Regierung, in der Hauptstadt Tripolis eine islamistisch dominierte Gegenregierung und an der dazwischenliegenden Küste breitet sich der „Islamische Staat“ immer weiter aus. Der IS versuche „seinen eigenen Fußabdruck zu festigen“, sagte US-Verteidigungsminister Ashton Carter.

Was Carter nicht erwähnt, ist die Tatsache, dass es die USA und ihre Verbündeten waren, die mit ihrer Unterstützung für den Anti-Gaddafi-Aufstand und dem folgenden Bombenkrieg Libyen, das einst ein funktionierender Staat war, in Chaos und Anarchie gestürzt und den Boden für das Erstarken islamistischer Kräfte wie dem IS bereitet hatten. Und die auf diese Weise geschaffene Gewalt soll nun mit neuer Gewalt bekämpft werden. So berichtet die „Washington Post“, dass „die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten Pläne schmieden für eine militärische Unterstützung, wenn eine neue Regierung gibt“. Damit solle die wachsende Instabilität an der Türschwelle Europas bekämpft werden.

Die Sache hat jedoch einen großen Haken: Westliche Vermittlungsversuche, zwischen der Regierung im Osten und der Gegenregierung im Westen Libyens eine Einheitsregierung zu bilden, sind bislang gescheitert. Weil sich eine Einigung zwischen den zerstrittenen Bürgerkriegsparteien nicht abzeichnet, mehren sich die Signale, dass die USA (und ihre europäischen NATO-Partner) selbst in dem nordafrikanischen Land militärisch eingreifen werden. So ist in Washington davon die Rede, dass eine neue Resolution Präsident Barack Obama die Anwendung „jeglicher notwendiger und angemessener Gewalt“ erlauben werde.

 

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[Bild: Petty Officer 1st Class Marton Anton Edgil/US-Navy]