Anfang März 2017 kam es zu einem Knalleffekt auf den internationalen Anlegermärkten: Die virtuelle Währung Bitcoin hatte mit nicht weniger als 1,230 Euro pro Einheit zum ersten Mal in ihrer Geschichte den Gegenwert einer Feinunze Gold überschritten. Und viele Finanzanalysten sehen hier keineswegs den Höhepunkt einer Entwicklung im internationalen Wirtschafts- und Währungsverkehr. Mit dem nahenden Ende des realen Bargelds, gestückelt in Geldscheinen und Münzen, könnte das Zeitalter einer virtuellen Weltwährung kommen. Und das mit allen Chancen und Gefahren für die Anleger. Für manchen geplagten Anleger, aber auch Konsumentenschützer und traditionelle Banker steht sogar der Vorwurf der Scharlatanerie im Raum.

Bitcoin kann man eigentlich mit digitaler Münze übersetzen. Bitcoins sind die Grundlage für ein weltumspannendes Zahlungssystem mit einer digitalen Geldeinheit. Dieses Zahlungssystem wurde 2008 erfunden und läuft über eine dezentrale Bitcoin-Datenbank mit einer eigenen Software. Für den jeweiligen Eigentümer genügt die Verfügung über eine digitale Brieftasche. Eine kryptographische Technik stellt sicher, dass Transaktionen mit Bitcoins nur vom Eigentümer durchgeführt werden können – daraus ergibt sich die Bezeichnung Kryptowährung für Bitcoins.

Und diese Kryptowährung ist grundsätzlich auch in eine normale Währung, d.h. in Euro oder Dollar tauschbar. Voraussetzung ist wie in allen ökonomischen Tauschvorgängen allerdings das Vorhandensein von Angebot und Nachfrage für Bitcoins. Die Bitcoins lassen sich wie Goldmünzen an Börsen tauschen, als Zahlungsmittel nutzen und leicht transportieren. Aber da enden die Gemeinsamkeiten auch schon. Und auch in ihrem Gesamtvolumen sind Bitcoins mit Edelmetallen, wie etwa Gold, nicht zu vergleichen: Während aktuell alle Bitcoins zusammengerechnet einen Wert von 20 Milliarden US-Dollar darstellen, entsprach allein der Gegenwert der 3.000 Tonnen abgebauten neuen Goldbestände im Wirtschaftsjahr 2016 rund 120 Milliarden US-Dollar.

Daraus erklärt sich auch die Anfälligkeit für Kursschwankungen, wie bei Währungstauschgeschäften oder auf den Edelmetallmärkten. Dem Hoch Anfang März 2017 folgte auch prompt ein Kurrückgang Mitte März 2017. Finanzexperten warnen deshalb auch vor einer grenzenlosen Euphorie bei den Anlegern für die neue Bitcoin-Währung, vor allem dann. wenn sie in ihrer Wertsteigerungsstrategie eine echte Alternative zu traditionellen Edelmetallen suchen. Denn auch die Bitcoin-Menge ist grundsätzlich endlich und von technischen Hilfsmitteln und Rahmenbedingungen abhängig.

Vor allem der reelle Verwendungszweck für Bitcoins ist im Unterschied etwa zu Edelmetallen wie Gold oder Silber nicht gegeben. Und die in der Vergangenheit dokumentierten Kursschwankungen machen Bitcoins für konservative Anleger ohne Spekulationsphantasien nur schwer einschätzbar. Seit Anfang 2016 legten Bitcoins um nicht weniger als 130 Prozent wertmäßig zu. Und diese rasante Aufwärtsentwicklung birgt auch die potentielle Gefahr einer Kursumkehr in sich. In der jüngeren Vergangenheit wurde der Bitcoin-Kurs vor allem durch die geplante Einführung eines Indexfonds EFT getrieben.

Dies ist aber seit einer Entscheidung der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC vom Tisch. Nach einer Entscheidung der Börsenaufsicht sei die digitale Währung Bitcoin in einer relativ frühen Entwicklungsstufe, die einer entsprechenden Zulassung eines Indexfonds entgegenstehe. Als Reaktion brach der Kurs der Kryptowährung um 18 Prozent ein, um sich dann auf ein Niveau von minus sieben Prozent einzustellen.

Hinter dem geplanten Bitcoin-Indexfonds standen die Zwillinge Cameron und Tyler Winklevoss, Rivalen von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Dieser musste sie nach einem Urheberstreit mit 65 Millionen Dollar abfertigen – ein Kapital, das die beiden Winklevoss-Brüder in die Popularisierung von Bitcoin investieren möchten. Bereits jetzt betreiben die beiden Brüder die Bitcoin-Börse Gemini. Den Antrag auf Zulassung des Indexfonds hatten sie bereits vor rund drei Jahren gestellt. Nach dem vorläufigen Stopp durch die Börsenaufsicht sollen neuerlich entsprechende Anträge gestellt werden.

Auch in Österreich ist die virtuelle Währung Bitcoin weiter auf dem Vormarsch. Wiens erster Bitcoin-Shop ist auf der Mariahilfer Straße Nummer 49 zu finden. Betreiber ist die Firma BitTrust. Hier kann Bargeld in die virtuelle Währung Bitcoin gewechselt werden und umgekehrt. Und das geht ganz einfach: Als Anleger steckt man in einen Bitcoin-Automaten Euros hinein und bekommt Bitcoins über einen QR-Code auf das Handy geladen. Und auch im Bundesland Vorarlberg wurde jetzt ein Bitcoin-Automat aufgestellt.

Der Automat zur Versorgung der Bitcoin-Fans im Ländle steht in Dornbirn in der sogenannten Gelben Fabrik, einem alternativen Wirtschaftsstandort in der Mitte der Stadt.

 

[Bild: Satoshi/wikimedia.org]