Wer erinnert sich noch an Ursula Pasterk, Wiener SPÖ-Kulturstadträtin zwischen 1987 und 1996? Nicht-ideologisch fundierte Kulturpolitik war für die Genossin undenkbar – und sie hatte immerhin den Mut, dies öffentlich zu vertreten. Was für eine Differenz zu den allzuglatten „Kulturmanagern“, die heute für das reibungslose Funktionieren der großen Institutionen zu sorgen haben. Und doch sind auch diese zumeist einer der beiden ehemaligen Großparteien bzw. deren ideologischem Umfeld zuzurechnen – wenn nur ein wenig an der Oberfläche gekratzt wird. Die Linke hat jedenfalls verstanden, dass sich politischer Erfolg absichern und verfestigen lässt, wenn man die metapolitischen Räume besetzt – es kommt eben doch auf die richtige Interpretation der Welt an, und auf die Kommunikation dieser Interpretation als Wahrheit. Der Abgrund zwischen veröffentlichter undöffentlicher Meinung, der zur vielbeklagten Entfremdung zwischen Medien und Konsumenten führte und den Erfolg alternativer Kanäle erklärt – hier hat erseinen Ursprung. Umso interessanter werden die kommenden Jahre sein, in denen sich nun eine deklariert nicht-linke Regierung um die Kulturpolitik kümmern muss. Wenn man dem Innenminister Herbert Kickl glauben darf, dann versteht sich das türkis–blaue Projekt als ausdrücklicher Gegenentwurf zu 1968ff. Sollte man also eine „geistig-moralische“ Wende versuchen wollen, ist die Kulturpolitik wohl eine Schlüsselfrage. Der verantwortliche Minister im Bundeskanzleramt, Gernot Blümel, ist also gefordert, eine Abkehr und Neuorientierung zu orchestrieren – hoffentlich bleibt ihm aufgrund seiner vielfältigen Aufgaben auch die Zeit dafür. Immerhin sind im Regierungsprogramm bereits einige vielversprechende Ansätze erkennbar; einem klaren Bekenntnis zur Hochkultur steht der Wille gegenüber, die zahlreichen Kleinstförderungen zeitgenössischer Projekte zu evaluieren und (endlich) eine kulturpolitische Strategie zu finden, die sich auch um objektivierbare Kriterien bemüht. Selbstverständlich kann mittel- bis langfristig nur der Markt entscheiden, welche Absolventen der Akademien und Kunsthochschulen auch von ihrem Beruf leben werden können.
Die Subventionsvergabe nach Gusto und Geschmack einschlägiger Jurys muss aufhören – richtig ist dagegen, den Ankauf von Werken junger Künstler durch Privatesteuerlich zu begünstigen. „Mehr privat, weniger Staat“ kann es hier nur heißen – und nicht die Subvention selbstreferentieller Biotope.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in der neuen Ausgabe der ZurZeit, entweder hier als E-Paper, oder ab Freitag in Ihrem Kiosk.

[Bild: ÖVP/fickr.com]