Die SPD befindet sich weiter im personellen Sinkflug: Nachdem die Sozialdemokraten bereits in der Vergangenheit immer konturloser wurden, ist mit der Kanzlerkandidatur des EU-Bürokraten Martin Schulz nun ein vorläufiger Tiefpunkt in der Parteigeschichte erreicht. Nicht nur, dass Martin Schulz ein klassischer Parteisoldat ist, der die Politik zum Beruf gemacht hat, er hat auch noch deutliche inhaltliche Schwächen. Das unterscheidet ihn zwar nicht von seinen sonstigen Amtskollegen, aber bei ihm sind die Defizite und Widersprüche eklatant und beinahe nicht zu kaschieren.

Dass ihn die etablierte Presse nun gar zum „Retter der Sozialdemokratie“ hochschreibt, passt dabei durchaus ins Bild.

In ersten Interviews gab Schulz sich populistisch als Fürsprecher der „kleinen Leute“, die kaum über die Runden kämen, während Manager „hohe Boni“ einstrichen. „Millionen Menschen fühlen, dass es in diesem Staat nicht gerecht zugeht“, lautet der Schlachtruf von Martin Schulz im Wahlkampf. Aus dem Munde eines Mannes, der als EU-Parlamentspräsident 2014 mit Jahresbezügen von 325.000 Euro deutlich über der Bundeskanzlerin lag, weniger als ein Drittel davon überhaupt versteuern musste und allein über das arbeitsunabhängig 365 Tage im Jahr gezahlte Sitzungs-Tagegeld von 304 Euro über 100.000 Euro als steuerfreie Zulage einstrich, klingt das gleichwohl merkwürdig. Erst nach kritischen Reporterfragen erklärte Schulz seinen Verzicht auf die Tagegelder während seines Wahlkampfs als sozialistischer Spitzenkandidat für die Europawahl 2014. Süffisant portraitierte Henryk M. Broder zu jener Zeit Schulz als selbstherrlichen Sonnenkönig einer abgehobenen EU-Elite, der als Parlamentspräsident über einen Stab von nicht weniger als 38 Mitarbeitern, persönlicher Diener inklusive, verfügen konnte.

 

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[Bild: Michael Weiss/wikimedia.org]