In Nordrhein-Westfalen (NRW) bekommen derzeit viele Gutmenschen Post, deren Inhalt ihnen ganz und gar nicht gefällt. Konkret fordern die Behörden von den Betroffenen, die eine sogenannte Flüchtlingsbürgschaft unterzeichnet hatten, Geld zurück. Dabei geht nach einem Bericht des Senders WDR um Beträge von bis zu 60.000 Euro. Zahlreiche Gutmenschen in NRW hatten eine „Flüchtlingsbürgschaft“ unterschrieben, mit der sie sich verpflichteten, die Kosten für Unterbringung und Verpflegung zu übernehmen. Sollte diese Bürgschaft ursprünglich nur für die Anerkennung des Asylantrags gelten, so wurde 2016 die Gesetzeslage geändert. Seitdem müssen die Bürgen für drei Jahre die Kosten übernehmen.

Ein Gutmensch aus Minden hat nun eine Zahlungsaufforderung von mehr als 60.000 Euro erhalten, weil er für gleich sieben Syrer gebürgt hatte. Nun sagte er: „Da habe ich unterschrieben. Ich war ja auch bereit, bis zur Anerkennung des Asyls zu zahlen. Das wären vielleicht 10.000, 12.000 Euro gewesen. Aber eben nicht für den gesamten Zeitraum.“ Es wäre besser gewesen, wenn sich der Mindener auf sinnvolle Hilfe beschränkt hätte. Laut WDR-Bericht hatte er nämlich 2014 einen Hilfstransport mit 20 Tonnen Kleidung für Flüchtlinge an der syrisch-türkischen Grenze organisiert.

Eine 82-jährige Gutmenschin, die ebenfalls für Syrer gebürgt hatte und eine Zahlungsforderung von 8.000 Euro erhalten hat, versteht die Welt nicht mehr. Sie hatte den Fehler begangen, die unverantwortliche Ankündigung von Bundeskanzlerin Merkel wörtlich zu nehmen: „Frau Merkel hat doch gesagt: Wir schaffen das.“

[Text: B.T.; Bild: Wikipedia/Frauen*Internationalismus-Archiv Dortmund; Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE]