Mit bemerkenswerten Worten ließ Trond Bentestuen, Chef der größten norwegischen Bank DNB, in einem Interview mit der Zeitung VG aufhorchen. „Norwegen bracht kein Bargeld“, sagte er. Als Begründung meinte der Banker, dass „60 Prozent des Geldes, das in Norwegen in Umlauf ist, außerhalb unserer Kontrolle ist.“ Und es sei davon auszugehen, dass dieses Geld für Geldwäsche verwendet werde.

Auf die Nachfrage des Reporters, ob das bedeute, dass es sich bei den betreffenden 30 Milliarden Kronen um Schwarzgeld handle, gab Bentestuen folgende erstaunliche Antwort: „Ein Teil des Geldes liegt bei den Leuten unter der Matratze. Es ist Geld, das wir nicht sehen.“ Oder anders ausgedrückt: Der Banker will die vollständige Kontrolle über das Bargeld. Warum, das ist auch klar: Vom Internationalen Währungsfonds (IWF) abwärts werden seit längerem Pläne geschmiedet, das Bargeld abzuschaffen, um angesichts der horrenden Verschuldung vieler Staaten leichter und effizienter auf die Vermögenswerte der Bürger zugreifen zu können.

Zwar liegt in Norwegen die Verschuldung bei nur rund 30 Prozent des Bruttoinlandsproduktes – zum Vergleich: In Österreich waren es 2014 84,2 Prozent des BIP – aber über das skandinavische Land sind dunkle Wolken aufgezogen. Konkret handelt es sich um den Verfall des Erdölpreises, denn derzeit kostet ein Fass (159 Liter) weniger als 30 US-Dollar. Wie die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg berichtet, können die norwegischen Förderunternehmen bei einem Preis von weniger als 70 US-Dollar keinen Gewinn mehr erzielen. Und hohe Erdölpreise haben dazu geführt, dass Norwegen, dessen Wirtschaft zu einem Drittel vom Verkauf des schwarzen Goldes abhängig ist, eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen in der Welt sowie ein gut ausgebautes Sozialsystem hat. Darüber hinaus sehen manche Ökonomen den Verfall des Erdölpreises als Vorboten einer neuen Weltwirtschaftskrise.

 

[Text: B. T.; Bild: Avij/wikimedia.org]