In einer ersten Stellungnahme zu dem Abstimmungsergebnis im Vereinigten Königreich und seine Auswirkungen auf die Europäische Wirtschaft zerstreute der Gouverneur der Österreichischen Nationalbank Ewald Nowotny alle im Vorfeld hochstilisierten Befürchtungen. Es werde der Austritt des Vereinigten Königreiches, keinerlei negative Auswirkungen auf die Europäische Wirtschaft haben, erklärte er in einem ORF-Interview. Auch die Kursverluste an der Börse und das Nachgeben des Euro-Wechselkurses wäre nur vorübergehend.

Die Finanzmärkte hätten ganz einfach mit einem anderen Ergebnis gerechnet und daher in einer ersten Reaktion der Negativstimmung nachgegeben. Es gab aber bereits im Laufe des Vormittages das Einsetzung der Gegenbewegung und mit einer weiteren Erholung sei kurzfristig zu rechnen, zerstreute der NB-Gouverneur die Bedenken jener, die das negative Trommelfeuer der EU- Befürworter in England wie auch in Europa ernst genommen hatten.

Allfällige Befürchtungen eines Wertverlustes des Euro wären ebenfalls auszuschließen, so Nowotny, dies hätte schon aufgrund der niedrigen Inflationsrate keinerlei Bedeutung.

Und außerdem sind Wechselkursschwankungen für das Innenverhältnis, also die Kaufkraft im eigenen Währungsraum ohnehin irrelevant.

Ein niedriger Eurokurs, so er tatsächlich länger anhalten würde, hätte ohnehin nur den positiven Aspekt, dass unsere Exportwirtschaft gestärkt, und damit endlich die Konjunktur belebt würde.

Die einzigen Auswirkung des Ausscheidens Englands wären politischer Natur, erklärte Nowotny, und meinte damit wohl unter anderem auch den kräftigen Rückenwind für patriotische politische Bewegungen, wie die FPÖ, oder die AfD. Und selbstverständlich sind die Befürworter der direkten Demokratie in allen Staaten durch dieses Votum eindeutig gestärkt.

[Text: W.T. Bild: EZB]