Die Türkei treibt den Preis für ihre Zustimmung zum „Aktionsplan“ mit der EU zur Bekämpfung der illegalen Masseneinwanderung nach Europa schamlos in die Höhe. Nun verlangt Ankara von Brüssel die Zahlung von drei Milliarden Euro, und zwar jährlich. Dies konnte der Internetdienst EUobserver von einem, mit den Verhandlungen mit den Türken vertrauten, hochrangigen EU-Diplomaten erfahren: „Erst boten wir eine Milliarde. Dann boten wir drei Milliarden an. Nun haben die Türken die Zahl von drei Milliarden jährlich auf den Tisch gelegt, damit sie dem Aktionsplan zustimmen.“

Nebenbei verlangt die Türkei von der EU auch Visafreiheit für ihre Staatsbürger sowie eine Beschleunigung der Beitrittsverhandlungen. Die schamlose Erpressung der EU in der Frage der Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Masseneinwanderung zeigt, was von einer türkischen EU-Mitgliedschaft zu halten ist.

Darüber hinaus erhöht Ankara den Druck auf die EU, indem gewarnt wird, dass die nächste Million von Syrern gerade dabei ist, sich nach Europa aufzumachen. So sagte ein hochrangiger türkischer Regierungsbeamter der britischen Zeitung „The Telegraph“, dass Ankara wegen der Verschlechterung der Lage in Nordsyrien mit weiteren zwei Millionen Flüchtlingen rechne. Dabei sei davon auszugehen, dass viele von ihnen nach Europa weiterziehen wollen. Für die angeblich bevorstehende neue Flüchtlingswelle in die Türkei macht der Regierungsbeamte übrigens Russland verantwortlich. Denn die Luftangriffe, mit denen Moskau den seit viereinhalb Jahren währenden Bürgerkrieg in Syrien beenden will, würde die Menschen zur Flucht zwingen und nicht die Schergen des IS.

 

 

Text: B. T.
Bild: Armagan TEKDONER/wikimedia.org