Die andauernde Facharbeiterwanderung nach Europa ist eine riesengroße Chance, wie die Politik nicht müde wird zu wiederholen. Allerdings besteht ein großes Problem darin, dass viele ohne Zeugnisse, geschweige denn mit Ausweispapieren ankommen. Zwar ist das Mobiltelephon trotz aller sonstigen Verluste auf der beschwerlichen Reise der ständige Begleiter, doch die findigen Ingenieure vergessen dennoch regelmäßig, die wichtigsten Dokumente damit zu fotografieren, um wenigstens irgendetwas vorweisen zu können.

All diesen Hindernissen zum Trotz hat nun der Autozulieferer „Continental“ ein Projekt gestartet, um Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Dazu hat das DAX-Unternehmen, wie Continental-Personalchefin Ariane Reinhart in Hannover berichtet, „eine niedrige einstellige Millionensumme“ in die Hand genommen, denn „es reiche nicht aus zu sagen, die Integration der Flüchtlinge geht so einfach“, so Reinhart. „Es ist eine Aufgabe von historischer Dimension, die dieses Land zu bewältigen hat.“

Um nun die Integration wirksam voranzutreiben, hat das Unternehmen mit dem Projekt 50 Stellen für Flüchtlinge geplant und erst einmal die Voraussetzungen für die Einstellung für Flüchtlinge gelockert. Zudem wird auf Zeugnisse verzichtet, da diese „einem Jobinteressenten dessen Kenntnisse ohnehin nur auf dem Papier bescheinigen würden“. Und zusätzlich werden die Auswahltests in Sprachen wie Arabisch und Persisch angeboten, da es darum geht, in diesen Tests das grundsätzliche Können eines Bewerbers zu erkennen. Das vorläufige Ergebnis fasst der Verantwortliche für den Personalbereich von Continental in Deutschland, Steffen Brinkmann, gegenüber dem „Handelsblatt“ wie folgt zusammen: „Ein Viertel der Testteilnehmer zeigt ausreichende Fähigkeiten.“

Von den getesteten 200 Bewerbern haben 30 den Test durchlaufen. Acht von ihnen haben einen Ausbildungsplatz bekommen. Für diejenigen, bei denen die Personalverantwortlichen wenigstens ausreichend Potenzial für eine berufliche Entwicklung sehen, hat Continental eine sechsmonatige Einstiegsqualifizierung vorgesehen. Wie sich deutlich zeigt, sind mangelhafte Deutschkenntnisse nicht das einzige Problem der von Merkel herbeigerufenen Völkerscharen.

 

[Text: M .H.; Bild: UNHCR/Hellenic Coast Guard/Flickr]