Die Royal Navy „engagiert“ sich stark außerhalb ihre eigentlichen Operationsgebietes (Nordatlantik und Nordsee). Am Persischen Golf oder im Schwarzen Meer sind die Briten stets mit von der Partie, wenn es darum geht, „Flagge zu zeigen“ und „Feinde“ zu provozieren. Dabei sind die realen Möglichkeiten des Inselreiches, militärisch Einfluss zu nehmen, in den letzten Jahren immer weiter geschrumpft. Mit der Außerdienststellung von HMS „Illustrious“ am 28. August 2014 verfügt die Royal Navy über keinen einzigen Flugzeugträger. HMS „Ocean“ verfügt lediglich über Hubschrauber.

Die Indienstellungstermine der HMS „Queen Elizabeth“, des 65.600 ts schweren Neubaus, wurden mehrfach (ursprünglich war 2014 geplant) verschoben. 2020 soll der Träger dann der Marine zur Verfügung stehen. Mit 40 bis 48 Flugzeugen/Hubschraubern ist die Fliegergruppe eher klein dimensioniert. Großbritannien hatte sich frühzeitig für das US-Modell Lockheed Martin „F-35 Lightning II“ entschieden, obwohl auch europäische Kampfflugzeuge zur Verfügung gestanden wären. Bis 2020 kann die Royal Navy aber bestenfalls als Hilfstruppe der US-Amerikaner agieren, die über immer weniger eigene Flugzeugträger verfügt. Bereits 2010 schaffte die „Fleet Air Arm“ (Marineluftwaffe) mit dem Hawker „Harrier“ ihre letzten Kampfflugzeuge ab.

Sechs Zerstörer (von ursprünglich zwölf geplanten) und 13 Fregatten stellen die ganze Herrlichkeit der Überwasserkampfschiffe (Surface Fleet) der Royal Navy dar. Auch mit den U-Booten gibt es Ärger. Neben den vier strategischen Riesenbooten der „Surface Fleet“ mit ihren Interkontinentalraketen soll Berichten der britischen Presse zu Folge keines der sieben vorhandenen nuklear getriebenen Kampf-U-Boote (drei Boote der „Astute“-Klasse und vier der „Trafalgar“-Klasse) derzeit einsatzfähig sein. Alle sieben würden zurzeit an der Pier oder in Werften Reparaturen oder planmäßige Wartungsarbeiten durchführen lassen.

Das Verteidigungsministerium bezeichnete die Berichte sofort als „absolut unwahr“ („categorically not true“). Da aber auch die als halbwegs seriös geltende BBC die Meldungen übernahm, vermuten Beobachter, dass daran „etwas dran“ sein könnte. Die älteren „Trafalgar“-Boote (aus den 80er und 90er Jahren) sind ohnehin nur noch im Flottenbestand, weil das Neubauprogramm zeitlich hinter den Plänen zurück geblieben ist, und liegen unstrittig in der Werft.

 

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[Bild: LA(Phot) Guy Pool/MOD]