Eigentlich wollte Barack Obama die US-Truppen aus Afghanistan abziehen. Bis zum Ende seiner Amtszeit im Jänner 2017 sollte die Stärke der Truppen auf rund 1.000 Mann reduziert werden, die vor allem die amerikanische Botschaft in Kabul schützen sollten. Doch damit wird nichts, die Truppenstärke von 9.800 US-Soldaten werde „den Großteil des nächsten Jahres“ beibehalten, gab der US-Präsident bekannt. Als Grund nannte er die „fragile“ Sicherheitslage im Land am Hindukusch. Und „diese bescheidene, aber bedeutende Verlängerung unserer Präsenz (...) kann einen echten Unterschied ausmachen.“ In Afghanistan sind die islamistischen Taliban auf dem Vormarsch, und auch der IS breitet sich auch, während die afghanischen Sicherheitskräfte schwach sind.

Zudem wiederholte Obama das Mantra, wonach die Militärpräsenz in Afghanistan für den Schutz der USA unerlässlich sei: „Ich werde als Oberbefehlshaber nicht zulassen, dass Afghanistan von Terroristen als Rückzugsort genutzt wird, um unsere Nation erneut anzugreifen.“ Die amerikanischen Steuerzahler kostet die Verlängerung des Afghanistan-Abenteuers viel Geld. Pro Jahr kostet der Einsatz 14,6 Milliarden Dollar (12,8 Mrd. Euro).

Den USA droht nun, am Hindukusch in einen langen Guerillakrieg verwickelt zu werden. Denn der Talibansprecher Sabihullah Mudschahid gab unmissverständlich zu verstehen: „Wenn die Angriffe gegen die Besatzer zunehmen und diese sehen, dass sie mehr Geld in ihren sinnlosen Krieg pumpen müssen, werden sie gezwungen sein, ihre unterdrückerische Politik zu ändern.“ Außerdem werde der Dschihad „so lange weitergehen, bis der letzte Besatzer vertrieben“ sei.

Text: B.T.
Bild: U.S. Army Photo by Spc. Daniel Love