Bundeskanzlerin Angela Merkel nützte die Gedenkveranstaltung für die Vertriebenen des Zweiten Weltkrieges, um zu mehr Empathie für Flüchtlinge aufzurufen. Die Schicksale sind nicht abstrakt, sondern mit konkreten Ereignissen und Leiden verbunden, sagte sie.

Zeitgleich präsentierte die OECD in Paris eine Studie über Zuwanderung, welche ebenfalls überaus konkrete Ergebnisse beinhaltet. Im Jahr 2016 sind 1,05 Millionen Personen in Deutschland eingewandert. Nur noch die USA mit einer vier Mal so großen Bevölkerung verzeichneten etwas höhere Zuwanderungsraten als Deutschland. Somit hat die Bundesrepublik klassische Einwanderungsländer wie Australien und Kanada weit überholt. Auch Großbritannien und Frankreich verzeichnen geringere Zahlen.

„Es ist das erste Mal, dass ein weiteres Land neben Amerika derartige Zuwanderungszahlen aufweist,“ erklärt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Für 2017 wird zwar ein Rückgang auf 870.000 erwartet, jedoch handelt es sich hierbei noch immer um die zweithöchste Zahl in der deutschen Geschichte.

Der Hauptanteil entfällt mit 40 Prozent auf Familienzusammenführungen. Die sogenannte Flüchtlingskrise stellt zwar einen Katalysator für die neuen Rekorde dar, aber der langfristige Trend ist ungebrochen. In den letzten 17 Jahren ist der Anteil der im Ausland Geborenen um über ein Drittel auf 15 Prozent gestiegen. „Es wäre nicht gut, wenn jeder zu Lasten des anderen entscheiden würde,“ so Merkel. Es ist aber auch nicht gut, wenn alle zu Lasten von einem entscheiden.

[Text: G.B.; Bild: Wikipedia.org/Metropolico.org; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic]