Herr Bundesparteiobmann, was bedeutet die Entscheidung der Briten für den Brexit für Österreich?

Heinz-Christian Strache: Das Ergebnis des Referendums ist eine Weichenstellung für die Demokratie und gegen den politischen Zentralismus, aber auch gegen den anhaltenden Migrationswahn. Diese Entscheidung ist ein deutliches Signal der Bürger an die EU, ihren falschen Kurs zu beenden und Reformen einzuleiten. Österreich als Nettozahler muss seine eigenen Interessen stärker verfolgen und auf einem Kurswechsel beharren. Die Briten haben das System Merkel/Juncker/Schulz abgewählt und setzen auf Eigenstaatlichkeit.

Sehen Sie Nachtteile, insbesonders wirtschaftliche?

Strache: Nachteile für die österreichische Wirtschaft sehe ich keine, denn der Handel mit Großbritannien ist sehr überschaubar. Was allerdings anzustreben sein wird, ist eine Aufhebung der Sanktionen gegen Russland, denn das könnte in wirtschaftspolitischer Hinsicht dazu beitragen, den durch den Brexit zu erwartenden Rückgang des Wirtschaftswachstums zu kompensieren, Investitionen anzukurbeln und somit Beschäftigung zu schaffen. Man wird als Österreicher bei einer Reise nach Großbritannien seinen Pass herzeigen und – ganz so wie jetzt – Geld wechseln müssen. Die Auswirkungen werden grundsätzlich eher gering sein. Das Clearing-Geschäft der Banken wird verlegt werden müssen, der Import aus Großbritannien wird eher weniger einbrechen.

Das Pfund ist um elf Prozent gefallen, allerdings bleibt Großbritannien noch innerhalb der WTO-Rahmenbedingungen, sodass es mit allen Vertragsparteien, darin eingeschlossen die gesamte EU, weiterhin Handel treiben kann, zu Maximalzöllen von acht Prozent. Das heißt, insgesamt steht es um die britische Wirtschaft gerade besser bestellt als umgekehrt. Andersrum werden Exporte nach Großbritannien teurer werden. Es muss eine angemessene Überlegungsfrist bis zu den Verhandlungen geben, und dann eine Lösung gefunden werden, die für Großbritannien als auch für die österreichischen Interessen tragfähig ist.

 

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[Bild: FPÖ]