Im Vorfeld von Präsidentenwahlen in den USA, die Anfang November stattfinden, müssen die Kandidaten der beiden großen Parteien immer mit einer „Oktober-Überraschung“ rechnen. War es im Falle des Republikaners Donald Trump die Veröffentlichung eines elf Jahre alten Tonbandmitschnittes, in dem er sich fragwürdig über Frauen äußert, geht es nun bei der Demokratin Hillary Clinton um viel Ernsteres. Denn das Justizministerium hat der Bundespolizeibehörde FBI die Erlaubnis erteilt, gegen Clinton Ermittlungen aufzunehmen. Dabei geht es neu aufgetauchte E-Mails – insgesamt rund 650.000 –, die während Clintons Zeit als Außenministerin an ihren privaten Server geschickt wurden.

Das FBI hatte bereits gegen Clinton ermittelt, weil sie als Außenministerin elektronische Nachrichten über ihren privaten Server verschickt und empfangen hatte, was in den USA als Gefahr für die nationale Sicherheit angesehen wird.

Nun schießen sich die Demokraten auf FBI-Direktor James Comey, einen Republikaner, ein. Ihm wird vorgeworfen, bereits Mitte Oktober von den neu aufgetauchten E-Mails gewusst zu haben und er wolle nun anderthalb Wochen vor dem Urnengang den Ausgang der Wahl beeinflussen. „Kaum kamen Sie in Besitz von vagen Unterstellungen gegen Hillary Clinton, haben Sie diese in einem maximal negativen Licht an die Öffentlichkeit getragen“, warf der demokratische Minderheitsführer (Fraktionsvorsitzende) im Senat, Harry Reid, Comey vor. Was die Demokraten verschweigen ist die Tatsache, dass das Justizministerium, das seine Zustimmung zu den FBI-Ermittlungen gegen Clinton erteilt hat, von Loretta Lynch, einer Demokratin, geleitet wird.

Bei den Demokraten macht sich angesichts von Umfragen, die Clinton und Trump fast gleichauf sehen, Panik bereit. Nach einer Umfrage im Auftrag des Fernsehsenders „ABC News“ und der Zeitung „Washington Post“ kommt Clinton auf 46 Prozent und Trump auf 45 Prozent. Und nach einer früheren Umfrage von „ABC News“ missbilligen 60 Prozent der Clinton-Wähler, wie die frühere Außenministerin mit der E-Mail-Affäre umgeht.

 

[Text: B. T.; Bild: Ali Shaker/VOA]