Der ob seiner parteiischen Berichterstattung als „Rotfunk“ bezeichnete öffentlich-rechtliche österreichische Rundfunk lieferte sein Paradestück an manipulierter Meinungsbildung wohl in der heißesten Phase des Tiroler Wahlkampfes. In einem Bericht von einer Wahlkampfveranstaltung der FPÖ wurde wieder einmal der Vorwurf des Antisemitismus erhoben. Ein 86-jähriger Teilnehmer der Veranstaltung kritisierte die heutigen Zustände. In der Kirche etwa habe es in seiner Jugend immer „die stinkerten Juden“ geheißen. Mit der Moderation „Ein blauer Wahlkampf auf Hochtouren“ endete der Beitrag.
Die Medien und vor allem die SPÖ nützten diesen scheinbaren Elfmeter, um wieder einmal die FPÖ kräftig anzupatzen. Es sei untragbar, dass der FPÖ-Spitzenkandidat nicht widersprochen hätte. Damit mache er sich selbst des Antisemitismus schuldig, war der Tenor. Was der ORF allerdings verschwiegen bzw. weggeschnitten hatte, war ein tatsächliches Zurückweisen dieser Äußerungen durch Abwerzger. Nach heftigen Protesten rückte der ORF zwei Tage später mit der Wahrheit heraus und zeigte die Vollversion, die die FPÖ und Abwerzger voll entlastete. Allerdings nicht in der reichweitenstarken Abendsendung, wo der gefälschte Beitrag gesendet wurde, sondern in der nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindenden Mittags-„Zeit im Bild“. Das ist aber keineswegs ein Einzelfall. Denken wir nur an die Berichte von den Wahlen, egal ob Bundeswahlen oder Regionalwahlen wie eben die Tiroler Wahl oder die kürzlich stattgefundene Niederösterreich-Wahl. Die FPÖ hat regelmäßig die meisten Zugewinne, in der Berichterstattung des ORF sind aber die Sieger andere, und die FPÖ „hat ihre Ziele verfehlt“. Das Kleinreden und Herabsetzen der FPÖ-Erfolge ist allerdings ein zweischneidiges Schwert. Denn die Seher und Hörer sind so dumm nicht und können auch rechnen. Wenn jemand, wie die Grünen in Tirol, zwei Prozent verliert und als Sieger dargestellt wird, während jemand anderen, wie der FPÖ, im gleichen Atemzug vorgehalten wird, ihre Ziele nicht erreicht zu haben, obwohl sie 5,3 Prozent dazu gewinnt, dann leuchtet wohl jedem, der ein bisschen nachdenkt, ein, welches Spiel der ORF hier spielt.
Ein besonderes Gustostückerl in diesem Zusammenhang sind die Interviews des ZIB-2-Moderators Armin Wolf. Nehmen wir das Interview mit Landbauer, dem FPÖ-Spitzenkandidaten für den niederösterreichischen Landtag. Wolf hatte Landbauer die Existenz eines Liederbuches in der Mittelschulverbindung Germania Wiener Neustadt vorgehalten, in dem es ein Lied antisemitischen Inhalts gegeben haben soll. Nachdem Landbauer erklärt hatte, diesen Text nicht zu kennen, weil diese Seite fehlte bzw. geschwärzt gewesen sei, kam es noch dicker. Wolf erklärte daraufhin, es gäbe noch andere Lieder nationalsozialistischen Inhalts. Konkret nannte er das Treuelied der SS.
Er meinte damit einen Text, den der Freimaurer Max von Schenkendorf 1814 geschrieben hatte. Damals gab es weder Burschenschaften, geschweige denn die SS. Wolf, dem das als gut recherchierenden Journalisten, der er ja immer gerne sein möchte, gewiss bewusst war, setzte mit dieser falschen Unterstellung die Bezeichnung NS-Liederbuch in die Welt, die bis heute in allen Berichterstattungen verwendet wird.
Es ist beinahe müßig zu sagen, dass diese Lieder auch in Liederbüchern vorkommen, die nicht bei Burschenschaften aufliegen. Zum Zweck der Manipulation aber ist dieses Faktum aber für den ORF unerheblich.

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[Text: W.T.; Bild: Wikipedia/Thomas Ledl; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Austria]