Othmar Karas ist wahrlich ein guter Mensch – ein herzensguter. Während andere Parlamentarier eiskalt auf ihren Sessel kleben, erwägt der demütige Ybbser, seinem Parteichef und seiner türkisen Zwangsheimat gleich in doppelter Weise zu Hilfe zu eilen. Der liebe Othmar scheint nämlich eine gemeinsame Kandidatur mit Angelika Mlinar von den NEOS ins Auge zu fassen.

So verhilft er nicht nur der ÖVP zu einem Wahlsieg, nein, er wirft auch gleichzeitig die NEOS aus dem EU-Parlament. Wie g‘schickt! Zwei Fliegen auf einen Schlag! Ob diese generöse Geste ausschließlich seiner Zuneigung zu Sebastian Kurz geschuldet ist, ließ sich bislang noch nicht erschließen. Vielleicht hat er auch mit den NEOS noch die eine oder andere Rechnung offen – wer weiß.

Viel wichtiger als die Frage, ob der liebe Othmar nun regungslos in Brüssel sitzt und dafür eine fünfstellige Summe monatlich einsteckt, ist aber die Sorge um seine zukünftige Tätigkeit. Schließlich ist der Gute gerade einmal 60. Doch sein Curriculum zeigt, wo’s nach der Politik hingegen soll: 2017 schon reichte das damals aufgeweckte Bürschlein nämlich seine Dissertation zum Thema: „Die europäische Demokratie“ ein – immerhin nur 40 Semester nach der Sponsion anno 1996 – fleißig, fleißig, der liebe Othmar.

Was aber macht ein Dissertant der Politikwissenschaften, der im 61. Lebensjahr über „die europäische Demokratie“ dissertiert, nach der Uni? Richtig – in Rente gehen! Doch Schluss jetzt mit der bösen Häme! Das hat sich der liebe Othmar nun wirklich nicht verdient! Wer ein ganzes Leben lang für geringe Bezahlung so hart für die österreichische Bevölkerung schuftet, sollte nicht einfach unbarmherzig ins Seniorenstift abgeschoben werden! Das wäre asozial, wo doch unser fleißiger Othmar, wie er uns kürzlich wissen ließ, noch voller Tatendrang ist: „Ich (…) will die Innenpolitik europäisieren.“ Na also, ein harter Job für unseren fleißigen Othmar. Aber er hat ja bald Zeit…

[Text: A.L; Bild: Wikipedia/Foto-AG Gymnasium Melle]