Nachdem Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Außenminister Sebastian Kurz in diesen Tagen gemeinsam bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York weilen, dürfte sich intensiver Gedankenaustausch kaum vermeiden lassen. Dem Vernehmen nach nicht nur über Probleme der Weltorganisation, sondern auch über die österreichische Innenpolitik und allfällige Regierungskoalitionen nach der Wahl. Im Wahlkampf selbst spielt das Staatsoberhaupt bekanntlich ja keine Rolle, danach fällt ihm aber für die Regierungsbildung eine Schlüsselposition zu. Nachdem ÖVP-Chef Kurz gegenwärtig in allen Umfragen haushoch führt, dürfte sich der Bundespräsident wohl bereits näher mit jener Persönlichkeit befassen, welcher er mutmaßlich nach dem 15. Oktober den Auftrag zur Regierungsbildung erteilen wird.

Ob der ÖVP-Chef dabei auch die Haltung des Staatsoberhaupts zur Bildung einer schwarz-blauen Koalition abtastet, ist unbekannt. Nachdem Van der Bellen ja vor seiner Wahl im Vorjahr wiederholt bekannt gegeben hatte, keine „Europa-feindliche“ Partei, wie er sie in der Strache-FPÖ sieht, in die Regierung lassen zu wollen, wäre diese Frage wohl auch für Kurz überaus klärenswert.

Möglicherweise aber hat Kurz sich längst auf eine Neuauflage der GroKo (= Altkoalition zwischen ÖVP und SPÖ) eingeschworen und muss dem Bundespräsidenten derlei knifflige Fragen erst gar nicht stellen.

 

[Text: A. M.; Bild: Dragan Tatic/BMEIA; Ailura/wikimedia.org]