Welch fragwürdiges Rechtsverständnis in islamischen Ländern herrscht, zeigt sich nun wieder einmal in Pakistan. Dort hat der Senat den Gesetzesvorschlag für eine Einschränkung der Kinderehen – das Mindestalter bei einer Heirat sollte von 16 Jahren auf 18 Jahre erhöht werden – unter fadenscheinigen Gründen abgewürgt. Rehman Malik, der Vorsitzende des ständigen Ausschusses, begründete die Zurückweisung damit, dass die Senatorin Sehar Kamran, die die Gesetzesinitiative eingebracht hatte, nicht anwesend gewesen sei. Senatorin Kamran begründete ihre Initiative unter anderem damit, dass in Pakistan Autofahren oder Wählen erst mit 18 Jahren erlaubt sei.

Tatsächlich aber dürfte Malik ein anderes Motiv verfolgen und berief sich auf „Religionsgelehrte“: „Ich habe auch mit Religionsgelehrten diskutiert, und auch diese glauben, dass gemäß dem Islam ein Mädchen heiraten kann, bevor sie 18 Jahre alt ist. Daher kann dieses Gesetz nicht beschlossen werden“, sagte Malik. Oder anders formuliert: Ein Mindestheiratsalter von 18 Jahren ist „unislamisch“. Aber immerhin werde man den Gesetzesvorschlag nochmals überdenken und sich dabei von Menschen- und Frauenrechtsgruppen sowie „anerkannten Gelehrten“ beraten lassen, kündigte Malik man.

Nach Angaben des UNO-Kinderhilfswerks UNICEF werden in Pakistan 21 Prozent der Mädchen vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet. Nach Angaben von „Mädchen, keine Bräute“, einer Organisation, die in Pakistan für das Ende der Kinderehen kämpft, hat bereits im Mai die Nationalversammlung, die andere Parlamentskammer einen Entwurf für ein Gesetz zur Einschränkung der Kinderehen abgelehnt.

 

[Text: B. T.; Bild: Jason Hutchens/flickr]