Peter Rosegger (1843 - 1918) war zu seinen Lebzeiten der meistgelesene Schriftsteller deutscher Sprache, seine Werke wurden in etwa drei Dutzend Sprachen übersetzt. Er wurde sogar mehrmals für den Nobelpreis vorgeschlagen, was Tschechen zu verhindern wussten. Er war der bedeutendste Mundartdichter seiner steirischen Heimat und einer der bedeutendsten deutschen Dialektdichter überhaupt. Er hielt durch seine Lyrik- und Märchensammlungen und durch seine Romane und Erzählungen das Andenken an die steirische Waldbauernkultur aufrecht, gründete die erste Waldbauernschule und wirkte als Journalist auch pädagogisch. Mitarbeiter seiner Zeitschrift "Heimgarten" waren u. a. die spätere Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner, Karl May und Leo Tolstoj, Ludwig Anzengruber, Wilhelm Busch und Robert Hamerling.

Am 26. Juni dieses Jahres jährt sich sein Todestag zum einhundertsten Mal. Aus diesem Anlass brachte der Staatsfunk, der ja angeblich in Zukunft ein größeres Gewicht auf österreichische Themen legen soll, einige wenige Sendungen, meist Wiederholungen alter Formate.

Sucht man in den wenigen verbliebenen Buchhandlungen Wiens nach Roseggers Werken, wird man bei den Angestellten meist unwilliges Staunen hervorrufen, entweder kennen sie den Dichter, wenn überhaupt, dann nur dem Namen nach oder sie halten ihn für einen reaktionären Finsterling. Wer sich etwa gar vermisst, bei den großen Buchhandelsketten wie Weltbild oder Thalia nachzufragen, wird eine ähnliche Reaktion erleben. Der Verfasser dieser Zeilen erlaubte sich vor wenigen Tagen in der größten Thalia-Filiale dieses Landes in Wien-Mitte nachzufragen, wo denn hier Roseggerbücher zu finden wären. Darauf sah die junge Angestellte ziemlich verblüfft drein und aktivierte sofort den Rechner. Auf die Frage, wo sich denn Roseggerbücher in dieser Filiale befänden, meinte die junge Frau verdutzt, nein, einen Tisch mit seinen Werken gäbe es freilich nicht und sah dabei so ungehalten drein, als ob ihr ein unmoralisches Angebot gemacht worden wäre. O du, mein Österreich.

[Text: H.M.; Bild: wikipedia.org/Coßmann]