Gut ein Jahr ist es nun her, dass die Grünen aus dem Nationaltrat gewählt wurden. Immer deutlicher wird, dass die Lücke, welche die linkslinke Truppe hinterlassen hat, von den Neos ausgefüllt wird, wie verschiedene Aussagen der Pinken belegen. Jüngstes Beispiel ist Christoph Wiederkehr, der designierte Neos-Chef von Wien. Für ihn ist es offenbar das wichtigste Anliegen, gegen die FPÖ zu polemisieren. „Mit uns wird es keine blaue Regierungsbeteiligung geben“, ließ Wiederkehr am Montag wissen. Damit biedern sich die Pinken der Wiener SPÖ als möglicher Koalitionspartner an, zumal es im Gebälk der rot-grünen Stadtregierung ordentlich kracht.

Wie sehr die Neos auf den Spuren der Grünen wandeln, bewies am Freitag bei einer Sondersitzung des Nationalrates Beate Meinl-Reisinger. Die Partei- und Klubobfrau der Pinken stört, dass die türkis-blaue Bundesregierung die illegale Migration bekämpft und Österreich durch eine Verlängerung der Grenzkontrollen schützt. „Sie bauen eine Mauer um Österreich und schotten uns ab!“, behauptete Meinl-Reisinger.

Stephanie Krisper, Asylsprecherin der Neos, machte sich in einer Aussendung zur Schutzpatronin der heimischen Asylindustrie. Zu den Plänen des freiheitlichen Innenministers Herbert Kickl, die Rechtsberatung von Asylwerbern in die Hände einer Bundesagentur zu legen, meinte sie in einer Aussendung, dies bedeute „das Ende der unabhängigen Rechtsberatung“.

Dass sich die Neos zu einem „Liberalen Forum 2.0“ entwickeln, kommt nicht von ungefähr. Schließlich ist Hans Peter Haselsteiner der große Gönner der pinken Partei. Haselsteiner spendete den Neos im Jahr 2017 laut Angaben des Rechnungshofes insgesamt 398.000 Euro. Der Bauunternehmer saß überdies nicht nur in den 1990er Jahren für das Liberale Forum der Heide Schmidt im Nationalrat, sondern finanzierte auch während des Bundespräsidentschaftswahlkampfes 2016 eine Angstmacherkampagne gegen den freiheitlichen Kandidaten Norbert Hofer.

Insgesamt wird deutlich, dass sich die Neos mit ihrem offenkundigen Linksruck immer mehr von der wirtschaftsliberalen Positionierung ihres früheren Parteichefs Matthias Strolz entfernen.

[Text: B.T.; Bild: Wikipedia/Nicole Heiling/NEOS Das Neue Österreich; Lizenz: CC BY-SA 2.0]