Wie es scheint, will Polen von der deutschen Wirtschaftskraft profitieren. Allerdings nicht durch verstärkte Wirtschaftsbeziehungen, denn Warschau will von der Bundesrepublik Deutschland 72 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Reparationen für Kriegsschäden fordern. Nach einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Polska Agencja Prasowa (PAP) prüft der wissenschaftliche Dienst des Sejm, des polnischen Parlaments, wie die Forderungen an das Nachbarland durchgesetzt werden können. „Ich will alle Informationen zu dem Thema sammeln und mir die nächsten Schritte überlegen, damit alles professionell vorbereitet wird“, zitiert PAP Arkadiusz Mularczyk, einen Abgeordneten der rechtskonservativen Regierungspartei „Recht und Gerechtigkeit (PiS).

In Polen sind antideutsche Reflexe, wie sie sich nun in den Reparationsforderungen äußern, sehr populär. So kündigte vergangene Woche PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski eine „historische Gegenoffensive“ an. „Wir reden über gewaltige Summen und auch über die Tatsache, dass Deutschland sich viele Jahre lang geweigert hat, die Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg zu übernehmen“, sagte Kaczynski dem erzkatholischen Sender „Radio Maryja“. Der Chef der Regierungspartei gilt als der eigentlich starke Mann Polens, und Ministerpräsidentin Beata Szydlo als seine Marionette.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatte zunächst die „DDR“ Reparationszahlungen an Polen geleistet. Allerdings hatte Warschau im August 1953 in einer Erklärung auf weitere Zahlungen Deutschlands verzichtet. Damit wollte das Land „einen weiteren Beitrag zur Lösung der deutschen Frage im Geiste der Demokratie und des Friedens“ leisten, hieß es in dem Dokument. Wohl dürfte Warschau auf Druck der damaligen Sowjetunion auf weitere Reparationszahlungen verzichtet haben, zumal die „DDR“ und Polen „Bruderländer“ im kommunistischen Ostblock waren.

 

[Text: B. T.; Bild: Silar/wikimedia.org]