Ähnlich wie Ungarn wird auch Polen zunehmend für seine Flüchtlingspolitik kritisiert. Grund dafür ist, dass sich dieses Land Ungarn auch als Vorbild für den Umgang mit Flüchtlingen nimmt. Statt sie in Ballungszentren unterzubringen, werden ihnen Unterkünfte im ländlichen Raum zugewiesen. Und derzeit wird auch überlegt, Asylwerber in Lagern an der Grenze unterzubringen. Dazu erklärte der polnische Innenminister Mariusz Blaszczak vor einigen Tagen: „Das ist eine Idee für eine Notfallsituation, die in Ungarn gut funktioniert hat.“ Und als Begründung führte er an: „Meine Aufgabe ist es, die Sicherheit der Polen zu gewährleisten. Das schlechte Szenario ist eine Einwanderungswelle, die über ganz Polen schwappen könnte.“ Zudem lehnt Polen, wie auch andere EU-Mitgliedstaaten, die Umverteilungspläne für sogenannte Flüchtlinge ab. „Es gab keine Terroranschläge in Polen, weil Polen die Entscheidung der Vorgängerregierung zurückgenommen hat, Tausende Migranten, die Flüchtlinge genannt werden, aufzunehmen“, so Blaszczak.

Damit handelt er im Interesse und dem Wunsch seiner Wähler entsprechend, wie nun eine Umfrage des polnischen Marktforschungsinstituts CBOS zeigte. Insgesamt 74 Prozent der Befragten sprach sich demzufolge gegen eine Aufnahme von Flüchtlingen gemäß den EU-Umverteilungsplänen aus. Zudem sei den Angaben nach der Anteil der Polen, die Flüchtlinge aus dem Nahen Osten und Afrika nicht aufnehmen wollen, seit 2015 konstant deutlich größer als diejenigen, die sie aufzunehmen wünschen. Nur vier Prozent der Befragten seien demnach „ohne Einschränkung dafür“ Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten im Nahen Osten aufzunehmen.

Dies rief den Immigrationsbeauftragten der polnischen Bischofskonferenz, Krzysztof Zadarko, auf den Plan, der sich ob der Umfrage „zutiefst betrübt“ zeigte und dafür plädierte, dass die Polen „eine größere Öffnung gegenüber den Mitmenschen in Not“ an den Tag legten. Allerdings ist es nicht so, dass den Polen gänzlich die Humanität abgehen würde, sie können nur zwischen wirklichen Flüchtlingen und Wirtschaftsflüchtlingen unterscheiden. Immerhin waren 55 Prozent dafür, Flüchtlinge aus der Ukraine ungeachtet ihrer Religionszugehörigkeit oder Ethnie aufzunehmen. Und 2016 erhielten auch mehr als eine Million Ukrainer eine Arbeitserlaubnis in Polen.

 

[Text: M. H.; Bild: Adrian Grycuk/wikimedia.org]