Politisch korrekte Selbstzensur erreicht nun auch Museen. Vor dem Hintergrund der #MeToo-Debatte hängte die Manchester Art Gallery ein aus dem späten 19. Jahrhundert stammendes Gemälde des Malers John William Waterhouse vorübergehend ab. Seitens des Museums heißt es, „wir haben in der Galerie 10 an der Stelle des Gemäldes ‚Hylas und die Nymphen‘ von JW Waterhouse Platz gelassen, um eine Debatte darüber anzuregen, wie wir Kunstwerke in der öffentlichen Sammlung von Manchester zeigen und interpretieren“. Wo früher das Bild von Waterhouse hing, ist nun eine leere Fläche, wo die Besucher Zettel mit ihren Gedanken anbringen können.

„Hylas und die Nymphen“ wurde 1896 gemalt und zeigt eine Szene aus der griechischen Mythologie. Auf dem Bild zu sehen sind auch mehrere nackte Frauen. Und hier hakt die Manchester Art Gallery ein und fragt, „wie können wir über die Sammlung auf eine Weise reden, wie sie im 21. Jahrhundert relevant ist“. Auch heißt es, die Galerie „zeigt den weiblichen Körper entweder in seiner ‚passiven dekorativen Form‘ oder als ‚Femme Fatale‘“, worauf aufgerufen wird, „lasst uns diese viktorianische Fantasie herausfordern“. Das viktorianische Zeitalter war genauso wie die heutige politische Korrektheit durch eine stark ausgeprägte Prüderie geprägt. Für die Political Correctness und Feministinnen gilt weibliche Nacktheit per se als „sexistisch“.

Die Reaktionen auf Twitter auf die Entscheidung des Museums waren durchwegs negativ. Die Zeitung „The Guardian“ schreibt, „Hylas und die Nymphen sind kein Meisterwerk. Aber wenn sie von der Galerie entfernt werden, werden dann die Nackten von Tizian und Picasso als nächstes folgen“. Sonia Boyce von der Manchester Art Gallery rechtfertigt natürlich die Entscheidung, das Waterhouse-Gemälde abzuhängen. Schließlich gehe es darum, „gemeinsam die ‚Gender-Probleme‘ zwischen den Gemälden aus dem 19. Jahrhundert der Galerie und der breiteren Kultur auszuloten“.

[Text: B. T.; Bild: Manchester Art Gallery]