Marine Le Pen gegen Francois Fillon, so wird das Duell um die französische Präsidentschaft im kommenden Jahr aller Voraussicht nach lauten. Bei der zweiten Runde der Vorwahlen der konservativen, in der Tradition des Gaullismus stehenden Partei „Die Republikaner“ setzte sich der 62-jährige Fillon, ein ehemaliger Premierminister, mit 66 zu 34 Prozent klar gegen seinen innerparteilichen Rivalen Alain Juppe durch. Dem sozialistischen Präsidenten Frankreichs, Francois Hollande, werden im Frühjahr 2017 keine Chancen auf eine zweite Amtszeit eingeräumt.

Mit Fillon hofft das politische Establishment, einen Kandidaten zu haben, der Marine Le Pen deutlich schlagen kann. Tatsächlich liegt der Konservative nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Harris Interactive mit 67 zu 33 Prozent klar voran. Dies nicht zuletzt deshalb, weil er große Teile des Programm von Le Pen kopiert hat. „Fillon hat viele der populärsten Positionen des Front National angenommen, allerdings nicht die Ablehnung einer Mitgliedschaft in der Europäischen Union und ihrer Währung, dem Euro, die wahrscheinlich für den Großteil der Wählerschaft einen Schritt zu weit geht“, schreibt Gilbert Doctorov, der Europäische Koordinator des American Committee for East West Accord in Brüssel.

Doch die Vorsitzende des Front National macht auf den wunden Punkt Fillons aufmerksam. Dieser plane das „schlimmste Programm“ zur Zerstörung des Sozialsystems in der Geschichte Frankreichs, sagte sie. Le Pen spielte darauf an, dass Fillon die tiefgreifenden wirtschaftlichen Probleme der „Grande Nation“ mit einer Art neoliberalen Schocktherapie beseitigen will. Der konservative Kandidat kündigte unter anderem die Streichung von 500.000 Stellen im öffentlichen Dienst, die Senkung der Unternehmenssteuern um 40 Milliarden Euro, eine Kürzung des Arbeitslosengeldes sowie Kostenbeteiligungen im staatlichen Gesundheitswesen an.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in der neuen Ausgabe der Zur Zeit, entweder hier als E-Paper, oder ab Freitag in Ihrem Kiosk.

 

 

[Bild: European People's Party/flickr]