Die offiziellen Zahlen der Dschihadisten, die vom IS in Frankreich rekrutiert wurden, sind übertrieben. Das sagte Veronique Roy, die Mutter eines in Syrien getöteten französischen Islamisten, Russia Today. Denn viele Familien würden nicht zugeben, dass sich ihre Kinder den IS-Mörderbanden angeschlossen haben, sagt Roy, deren Sohn, bevor er Ende 2012 zum Islam konvertierte, „ein normaler Student war, der seine Familie liebte“. 2014 schloss er sich dem sogenannten Islamischen Staat an, und im Jänner 2016 wurde sein Tod bestätigt.

Roy erhebt gegenüber Russia Today schwere Vorwürfe gegen die lokalen Behörden in Sevran, denen sie „Inaktivität“ vorwirft. Dabei handelt es sich um einen nordöstlichen Vorort von Paris, wo ihr Sohn und andere junge Männer in der örtlichen Moschee einer Gehirnwäsche unterzogen wurden, worauf sie sich dem IS anschlossen: „Wir hatten eine Moschee. Tatsächlich aber war es das Haus eines Predigers, das wir Daesh-Moschee nannten (Daesh ist die abwertende arabische Bezeichnung für den IS, Anm.). Die Moschee war von den Behörden nicht genehmigt und nun ist sie geschlossen.“

Roy zufolge wusste der Bürgermeister seit 2014, welche Gefahr von der illegalen Gebetsstätte ausging – zum Einschreiten sah er offenkundig aber keinen Anlass. In Sevran wurden vom IS mindestens 15 Männer angeworben, um in Syrien zu kämpfen. Die tatsächliche Zahl dürfte höher liegen, denn Roy vermutet, dass viele Eltern nicht zugeben wollen, dass sich ihre Kinder dem IS angeschlossen haben. Zudem sei in Frankreich die Rekrutierung für den Islamischen Staat zu einem „gut organisierten Geschäft“ geworden. Letzteres bestätigte in der vergangenen Woche EU-Justizkommissarin Vera Jourova. In Syrien würden zwischen 5.000 und 6.000 Personen aus Europa für den IS kämpfen – 1.450 von ihnen sind französische Staatsbürger.

 

[Text: B. T.; Bild: Islamic State (IS)/wikimedia.org]