Bei einer Parteisitzung des Front National (FN) nach der Präsidenten-Stichwahl gab die Enkelin von Parteigründer Jean-Marie Le Pen, Marion Marechal-Le Pen, den zumindest vorläufigen Rückzug aus der Politik bekannt. So wolle sie nicht mehr bei der Parlamentswahl im Juni antreten. Als Grund für ihre Entscheidung nannte Marechal-Le Pen familiäre Gründe.

Die tatsächlichen Gründe sind jedoch innerhalb des Front National zu suchen, wo es derzeit einen Richtungsstreit gibt. Marion Marechal-Le Pen ist Florian Philippot, dem „homosexuellen Chefstrategen des FN“ – so formuliert es „Der Standard“ – unterlegen. Philippot, der auch Vizeparteichef ist, vertritt im Gegensatz zu Marechal-Le Pen eine linke Wirtschaftspolitik, ist in der Familienpolitik offen gegenüber der Homo-Ehe und darüber hinaus sehr EU- und deutschfeindlich.

Politische Beobachter gehen davon aus, dass sich der Richtungsstreit innerhalb des Front National fortsetzen wird – und dass Marion Marechal-Le Pen den politischen Kampf nicht aufgegeben hat, ihr Rückzug aus der Politik somit nur ein vorläufiger ist. Jedenfalls könnte es schon bald zu einem Richtungswechsel im Front National kommen: Dann nämlich, wenn die von Marine Le Pen geführte Partei auch bei den Parlamentswahlen im Juni unter den Erwartungen abschneidet, was nicht unwahrscheinlich ist. Dann könnte es zu einer Entmachtung von Marine Le Pen und einer Rückkehr ihrer Nichte Marion Marechal-Le Pen, die für eine wertkonservative patriotische Linie steht, kommen.

 

[Text: A. M.; Bild: Gauthier Bouchet/wikimedia.org]