Es hatte sich schon seit Längerem abgezeichnet, doch nun ist es fix: Die USA verlieren mit den Philippinen ihren wichtigsten Verbündeten im asiatisch-pazifischen Raum. Ausgerechnet während seines viertägigen Staatsbesuches in China verkündete der philippinische Präsident Rodrigo Duterte, es sei „Zeit, Lebewohl zu sagen“. Zudem gab der für seine markigen Sprüche bekannte Staatschef „meine Trennung von den USA“ bekannt. Auch wolle er nicht mehr nach Amerika gehen, weil „wir dort nur beleidigt werden“.

Künftig wollen sich die Philippinen verstärkt China zuwenden. Dadurch erhofft Duterte eine gütliche Einigung mit Peking im Territorialkonflikt über das Südchinesische Meer. Bevor Duterte am 30. Juni Staatspräsident wurde, nutzten die USA den Gebietsstreit, um die Philippinen, denen eine Schlüsselrolle bei Strategie zur Eindämmung des aufstrebenden China zukommt, an sich zu binden. Die Philippinen sind mit ihrer ehemaligen Kolonialmacht USA seit 1951 mit einem militärischen Vertrag verbunden. Und erst im vergangenen Jahr – unter Dutertes Vorgänger Benigno Aquino III. – wurde ein neuer Vertrag zur militärischen Zusammenarbeit unterzeichnet, aufgrund dessen die USA die Errichtung von acht Militärstützpunkten auf den Philippinen planen.

Ebenfalls sauer stößt in Washington auf, dass Duterte auch eine Annäherung an Russland ins Auge fasst. So sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, John Kirby, Washington werde eine Erklärung verlangen, „was der Präsident genau sagen wollte, als er von einer Trennung von den USA sprach“. Sollte Duterte – was freilich nicht zu erwarten ist – einlenken, muss er damit rechnen, dass die USA beginnen werden, an einem „Regimewechsel“ in Manila, also an seinem Sturz zu arbeiten. Dass er demokratisch legitimiert ist, spielt dabei für Washington keine Rolle.

 

[Text: B. T.; Bild: King Rodriguez/wikimedia.org]