Es geht dem FPÖ-Generalsekretär Kickl offensichtlich wie vielen Österreichern: Die scheinbar eindeutig zuordenbare Schmutzkübelkampagne des SPÖ-Werbers Tal Silberstein wird immer verworrener.

Hatten die Roten eine restlose Aufklärung der Umstände, Hintergründe, Finanzierungen und Verantwortlichkeiten versprochen, so wird es mit jedem Tag undurchsichtiger, was uns da vorgegaukelt wird.

Fest steht, dass Silberstein von Bundeskanzler Kern als externer Berater für den Wahlkampf engagiert worden war, dass er die beiden Facebookseiten „Fans von Sebastian Kurz“ und „Die Wahrheit über Sebastian Kurz“ eingerichtet und mit einem Mitarbeiterstab betreut hat. Fest steht auch, dass er für sogenanntes „Dirty Campaigning“ in verschiedenen Ländern bekannt ist, und dass er vor zwei Monaten in Israel verhaftet wurde.

Immer lauter werden nun aber Stimmen, dass es auch Verbindungen zur Kurz-Truppe der „Neuen Volkspartei“ gegeben haben könnte.

Die österreichischen Wähler haben ein Recht, noch vor der Wahl zu erfahren, was hinter all dem steht und wie tief der Sumpf wirklich ist.

Deshalb hat Kickl nun jeweils einen umfangreichen Fragenkatalog an den SPÖ-„Aufklärungsbeauftragen“ Matzenetter und die Generalsekretärin der Kurzschen „Neuen Volkspartei“, Elisabeth Köstinger, geschickt.

Matzenetter soll unter anderem erklären, ob Gelder der Gewerkschaft bzw. Arbeiterkammer an die Silberstein-Truppe geflossen seien. Ebenso verlangt er Aufklärung darüber, ob, wie in der Zeitung Österreich behauptet, auch Mitarbeiter des Kabinetts von Bundeskanzler Kern für die Wahlkampftruppe eingesetzt wurden. Umgekehrt soll dort nach wie vor eine enge Vertraute Silbersteins tätig sein. Eigenartig in diesem Zusammenhang ist auf jeden Fall, dass Kern nichts über die Aktivitäten Silbersteins gewusst haben soll.

Bei den 11 Fragen an Köstinger geht es unter anderem darum, wie es sein kann, dass sie bereits vor Bekanntwerden der Silbersteinaffäre von einem „Supergau“, der auf die SPÖ zukommen würde, bei Veranstaltungen reden konnte. Ebenso hatte sich Sebastian Kurz selbst über die Zusammensetzung und finanzielle Ausstattung der Silberstein-Truppe informiert gezeigt, noch bevor entsprechende Einzelheiten in den Medien aufgetaucht sind. Und das führt gleich zu der nächsten Frage Kickls: „Hat es Kontakte oder gar finanzielle Versprechungen der ÖVP an Mitarbeiter Silbersteins oder der SPÖ-Wahlkämpfer gegeben?“, will er wissen.

Und da ist natürlich die Frage nach den Konsequenzen. Beide Adressaten der Kickl-Fragen sollen erklären, ob sie rechtliche Schritte gegen den für das „Dirty Campaigning“ verantwortlich gemachten Tal Silberstein, dessen Mitarbeiter Peter Puller bzw. SPÖ-Mitarbeiter Paul Pöchhacker, der nach dem Rauswurf Silbersteins dessen Agenden weitergeführt hat, unternehmen werden.

Wir können gespannt sein, wie ernst die beiden Parteien es mit der so oft in den Mund genommenen „Transparenz“ nehmen.

 

[Text: W. T.; Bild: Parlamentsdirektion / Bildagentur Zolles KG / Mike Ranz]