Warum rege er sich auf? Solange es Sarrazin in der Partei gibt, ist da immer einer der schlimmer sei als er. So schilderte Heinz Buschkowsky ein Gespräch mit einem Genossen über Sarrazin. Nunmehr ist also auch für Buschkowsky aus dem „immer“ ein „nimmer“ geworden.
Buschkowsky machte sich einen Namen als SPD-Bezirksbürgermeister des Brennpunktviertels Berlin-Neukölln. Er schilderte seine Erfahrungen in zahlreichen Interviews und einigen Büchern. Das mittlerweile zur Gewohnheit gewordene Bild von Vätern die Lehrerinnen den Handschlag verweigern, Respektlosigkeit vor der Polizei, Sozialmissbrauch in Form von Hartz IV-Empfängern mit teuren Autos, Kinder, die im gebrochenen Deutsch erklären, wenn sie groß seien, wollen sie Hartz IV machen etc. Also das Bild der gescheiterten Integration und des Beginns von Parallelgesellschaften. Verantwortlich hierfür: Sämtliche Regierungen der vergangenen Jahrzehnte. Also auch seine eigene Partei.
Nachdem die Linke öffentliche Selbstkritik lediglich als Sanktionsmittel kennt, wurde nunmehr ein Parteiausschlussverfahren gegen Buschkowsky eingeleitet. Seine Bekundung, dass er die von Sarrazin geschilderten Verhältnisse aus eigener langjähriger Erfahrung bestätigen könne, wurde als Rechtspopulismus eingestuft.
Initiiert wurde das Verfahren von der Arbeitsgemeinschaft Migration und Vielfalt. Der Begriff Vielfalt bezieht sich wohl mehr auf Ethnien und wohl kaum auf Meinungsvielfalt. Einer der wenigen verbliebenen Genossen mit Hausverstand erklärte, das Verfahren gegen Buschkowsky sei ein Schuss in beide Knie. Tatsächlich handelt es sich um die Amputation eines gesunden Beins ohne Narkose mittels rostiger Säge.
Auch wenn das Verfahren wenig Aussicht auf Erfolg hat, demonstriert es die Misere der einstigen Partei von Helmut Schmidt. Man könnte den „Protest song“ anstimmen: Wo sind all die Sozialdemokraten hin …

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