Rotes Kreuz-Präsident Gerald Schöpfer sagte gegenüber der APA, dass die zukünftige dreijährige Wartezeit im Zusammenhang mit der Familien-Zusammenführung dazu führen werde, dass sich noch jünger Kinder auf die Reise nach Europa machen würden. Die Älteren wären ja nach Ablauf der Frist über 18 und hätten daher keinen Anspruch mehr auf Nachholung der Eltern. Damit gibt der Rotkreuz-Funktionär offen zu, warum wir eine ständig steigende Zahl an sogenannten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen haben. Es geht letztlich nur um Einwanderung. Wohl wissend, dass die europäischen Staaten Minderjährige nicht abweisen oder rückführen, werden die Jungen los geschickt, um als Anker zu dienen. Bereits 2010 konnte man dazu im „World Migration Report 2010“, den die „Internationale Organisation für Migration“ (IOM) herausgab lesen: Die Zahl der verfügbaren Arbeitskräfte wird in den Entwicklungsländern in den kommenden Jahrzehnten um 50 Prozent von 2,4 Mrd. (2005) auf 3,6 Mrd. (2040) zunehmen, während die Nachfrage dort nicht in gleichem Maße steigen wird. Die globale Ungleichverteilung von Arbeitskräften und Arbeitskräftebedarf werde zwangsläufig zu erhöhten Wanderungsbewegungen führen!

Im Bericht ging man davon aus, dass besonders die irreguläre Migration zunehmen werde. Ihr Anteil wird steigen, weil das Arbeitskräfteangebot in den Herkunftsregionen den Arbeitskräftebedarf in den Zielregionen übersteigt und diese die legalen Einreisemöglichkeiten beschränken. Dies habe zur Folge, dass neben Wirtschaftsmigranten zunehmend unbegleitete Minderjährige, Asylsuchende sowie Opfer von Menschenhandel, auf irregulärem Weg versuchen werden einzuwandern. Durch die sogenannte Familienzusammenführung können so die Eltern und teilweise auch die Geschwister relativ leicht in das Zielland ihre Wahl einreisen, da sie vorab den manchmal auch gar nicht mehr wirklich minderjährigen Spross vorausgeschickt haben. Dabei darf man auch nicht vergessen, dass in vielen Herkunftsländern Burschen bereits oft weit unter 18 Jahren als Mann gelten. Besonders beliebt ist diese Einwanderungsmethode übrigens bei Afghanen. Die offiziellen Zahlen des Innenministeriums bestätigen das. Von den allein zwischen Jänner und August offiziell registrierten 5.559 unbegleiteten Minderjährigen Flüchtlingen stammen 3.675 aus Afghanistan.

 

 

Text: H. W.
Bild: ZZ-Archiv