Bei den Grünen fliegen wieder einmal die Fetzen. Diesmal sorgt aber nicht Peter Pilz, weil er sich entgegen der Parteilinie gegen Doppelstaatsbürgerschaften für Türken ausgesprochen hat, für Ärger. Denn die Parteispitze, von Eva Glawischnig abwärts, muss sich mit den aufmüpfigen Jungen Grünen herumschlagen. Die Parteijugend will nämlich bei den Wahlen zur Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) im Mai die in Linz und Graz antretenden „Grünen Studierenden“, die eine Abspaltung der offiziellen grünen ÖH-Fraktion Gras („Grüne Alternative StudentInnen“) sind, unterstützen.

Das wiederum versucht die Parteispitze mit allen Mitteln zu unterbinden. „Unsere ÖH-Fraktion ist die Gras und nur die Gras“, richtete der grüne Europaabgeordnete Michel Reimon den Jungen Grünen aus. Doch deren Vorsitzende Flora Petrik beharrt auf ihrem Kurs und forderte Parteichefin Glawischnig in einem offenen Brief auf „Platz für andere“ zu machen, also zurückzutreten. Zudem wirft Petrik Glawischnig „Erpressungsversuche“ und „Drohungen“ vor.

Nun war bei den Neomarxisten Feuer am Dach: „Grüne drohen Jungen Grünen mit Rausschmiss“, titelte das Leibblatt der Grünen, der „Standard“. Konkret geht es darum, der Parteijugend den Geldhahn zuzudrehen. Der Zeitung zufolge habe der erweiterte Parteivorstand den Beschluss gefasst, „dass die Bundesorganisation der Jungen Grünen für die weitere Anerkennung als Jugendorganisation der Grünen bis 31. März einige Voraussetzungen erfüllen müsse, um das Vertrauen der Grünen in die Jungen Grünen wiederherzustellen“. Dazu gehöre „insbesondere der Verzicht auf jegliche Aktivitäten gegen die von den Grünen als Studierendenorganisation anerkannte Gras“.

Ebenfalls über den Standard warf Petrik der Parteispitze erneut den Fehdehandschuh zu: „Die Frage, die wir uns jetzt stellen ist, ob wir überhaupt noch unter einem Dach mit dieser Partei, die demokratische Grundsätze predigt, sie aber nicht mehr lebt, weitermachen wollen.“ Daher werden die Mitglieder der Parteijugend in den nächsten Tagen darüber beraten, ob man künftig eventuell nicht außerhalb der Partei politisch tätig sein wolle. Und Petrik wiederholte ihre Ansicht, dass Glawischnig „nicht mehr die geeignete Person“ an der Spitze der Partei sei und brachte für diese Funktion die Tiroler Grünen-Chefin Ingrid Felipe ins Spiel.

 

[Text: B. T.; Bild: Manfred Werner – Tsui/wikimedia.org]