Seit Monaten gehen tausende Rumänen auf die Straße, um gegen die anhaltende Korruption zu protestieren. Die Wut der Menschen richtet sich dabei vor allem gegen die regierenden Sozialisten (PSD) von Ministerpräsidentin Vasilica Viorica Dancila. Die Regierungschefin selbst gilt als Marionette von PSD-Chef Liviu Dragnea. Denn dieser darf wegen Vorstrafen selbst nicht das Amt des Ministerpräsidenten bekleiden und ist überdies in einen Korruptionsskandal verwickelt.

In der von Korruption und Misswirtschaft gekennzeichneten politischen Lage ist für viele Rumänen Staatspräsident Klaus Johannis Hoffnungsträger und moralische Autorität zugleich. Schließlich gilt das Staatsoberhaupt als engagierter Kämpfer gegen die Korruption und Widersacher der Sozialisten, welche die politischen Nachfolger der Kommunisten Ceausescus sind. Johannis ist ein Siebenbürger Sachse und war vor seiner Wahl zum Präsidenten Rumäniens Bürgermeister von Hermannstadt, obwohl dort der Anteil der deutschen Minderheit nur mehr zwei Prozent beträgt. Und Johannis‘ Wahl zum Staatsoberhaupt hängt wohl auch damit zusammen, dass Johannis für deutsche Tugenden wie Korrektheit steht.

Wenn es um Johannis geht, scheuen die Sozialisten jedenfalls nicht davor zurück, in die unterste Schublade zu greifen. So verglich Darius Valcov, ein Berater von Ministerpräsidentin Dancila, Johannis mit Hitler, was in der jüdischen Gemeinde Rumäniens große Empörung hervorrief. Valvov wurde übrigens im Februar erstinstanzlich wegen verschiedener Korruptionsdelikte zu einer Haftstrafe von acht Jahren verurteilt.

[Text: A.M.; Bild: Wikipedia/European People's Party; Lizenz: CC BY 2.0]