Mit der Entschuldigung des türkischen Präsidenten Erdogan für den Abschuss eines russischen Kampfflugzeugs in syrischem Luftraum vergangenen November kommt das Projekt der „Turkish Stream“-Erdgasleitung wieder auf die Tagesordnung. Das Projekt wurde nach dem Zwischenfall im vergangenen November wegen der tiefen diplomatischen Verstimmung zwischen Moskau und Ankara auf Eis gelegt.

Weil nun mit einer Normalisierung der Beziehungen zwischen Moskau und Ankara zu rechnen sei, sei man „wieder offen für einen Dialog“ zur Umsetzung dieses Projekts, sagte ein Sprecher des russischen Energiekonzerns Gazprom. Es wird erwartet, dass der „Türkische Strom“ ein wichtiges Gesprächsthema beim „Versöhnungstreffen“ der Präsidenten Erdogan und Putin sein wird.

Bereits 2014 einigten sich Gazprom und die türkische Erdgasgesellschaft Botas auf die Errichtung des „Türkisches Stromes“. Dieser ist eine rund 1.100 Kilometer lange Leitung, in der russisches Erdgas von der Hafenstadt Noworossijsk durch das Schwarze Meer in die türkisch-griechische Grenze transportiert werden soll. Die jährliche Kapazität soll 63 Milliarden Kubikmeter betragen, wovon aber nur 16 Milliarden Kubikmeter für die Deckung des türkischen Energiebedarfs bestimmt sind. Die übrigen 47 Milliarden Kubikmeter sollen weiter nach Europa gepumpt werden.

Das russisch-türkische Tauwetter hat somit einen für die USA bitteren Beigeschmack, weil der „Türkische Strom“ ein Projekt zur Umgehung der Ukraine als Transitland von Erdgas ist. Nicht zuletzt deswegen gab Putin trotz der diplomatischen Eiszeit mit der Türkei die Umsetzung dieses Projekts nie auf. „Turkish Stream“ sei „nicht endgültig gestrichen“, sagte Russlands Präsident erst Anfang Juni.

 

[Text: B. T.; Bild: Consiglieri88/wikimedia.org]