Von der Weltöffentlichkeit nur wenig beachtet, tobt seit drei Jahren im Jemen ein grausamer Krieg. „Mindestens 10.000 Menschen wurden getötet und mehr als drei Millionen im Krieg im Jemen vertrieben. Millionen Menschen kämpfen um ihr tägliches Überleben“, heißt es seitens der Nachrichtenagentur Reuters. Bei dem Krieg im Süden der arabischen Halbinsel geht es vordergründig um einen bewaffneten Konflikt zwischen dem de facto entmachteten jemenitischen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi, der von Teilen der Armee und sunnitischen Stammesmilizen unterstützt wird, und dem früheren Präsidenten Ali Abdullah Salih, der von schiitischen Huthi-Rebellen- unterstützt wird.

Tatsächlich aber findet im Jemen ein Stellvertreterkrieg statt. Während die Huthi-Rebellen auf die Unterstützung des Iran zählen können, interveniert im Jemen seit März 2015 eine von Saudi-Arabien angeführte Militärallianz, die von den USA, Frankreich und Großbritannien logistisch unterstützt wird, um eine Ausweitung des Einflusses Teherans in der Region zu verhindern. Zudem wird der Iran vom Westen und seinen Verbündeten der Destabilisierung des Jemen bezichtigt: „Wir werden die Bestrebungen des Iran überwinden, ein anderes Land zu destabilisieren und eine Miliz nach dem Abbild der libanesischen Hisbollah zu schaffen, aber entscheidend ist, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden“, sagte am 19. April der neue US-Verteidigungsminister James Mattis, der als außenpolitischer Falke gilt.

Die USA unterstützen nicht nur Saudi-Arabien bei seinem Krieg gegen den südlichen Nachbarn, sondern greifen auch selbst zunehmend militärisch ein. „Nur zwei Wochen im Amt, befahl Präsident Donald Trump einen militärischen Angriff auf vermutete Al-Kaida-Ziele in diesem Land“, schrieb die Fachzeitschrift „The National Interest“. Und bereits Ende März berichtete die „Washington Post“, dass innerhalb der US-Regierung Verteidigungsminister Mattis auf eine Aufhebung der von dem früheren Präsidenten Obama verhängten Beschränkungen zur militärischen Unterstützung von Golfstaaten, die in den Jemen-Konflikt verwickelt sind, drängt. Zudem sprach sich Mattis in einem Memorandum an den Nationalen Sicherheitsberater H. R. McMaster für eine Unterstützung „im bestimmten Umfang“ für die von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) durchgeführten militärischen Operationen im Jemen, einschließlich der Rückeroberung eines „wichtigen Hafens am Roten Meer“ aus. Schließlich gehe es laut Mattis darum, bei der Bekämpfung einer „gemeinsamen Bedrohung“ zu helfen.Vor dem Hintergrund einer drohenden Eskalation des Jemen-Kriegs bringt sich nun Russland als Vermittler ins Spiel.

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[Bild: Ibrahem Qasim/wikimedia.org]