Ausgerechnet Saudi-Arabien wurde mit 152 Stimmen erneut zum Vertreter des asiatisch-pazifischen Raumes in den Menschenrechtsrat der UNO gewählt. Als islamistisch geprägter Staat, der im benachbarten Jemen einen Krieg führt und dabei bislang rund 4.000 Zivilisten getötet hat. Jener Staat, in dem freitags öffentlich im Namen der angeblichen Religion des Friedens Hinrichtungen und Körperstrafen wie Auspeitschungen vollzogen werden. Heuer wurden in Saudi-Arabien zwischen Jänner und September 124 Menschen mit dem Schwert geköpft. Nicht in den UNO-Menschenrechtsrat gewählt wurde hingegen Russland. Hinter den Kulissen hatten die USA großen Druck ausgeübt, damit Moskau nicht in dieses Gremium gewählt wird.

Auch die Saudis übten großen Druck aus, damit sie zum dritten Mal hintereinander in den UNO-Menschenrechtsrat gewählt werden. Und das Wüsten-Königreich, das neben Katar der weltweit wichtigste Financier islamistischer Gruppen und Bewegungen ist, scheint auch nicht vor Erpressungen zurückzuscheuen. Denn im Juni gab der scheidende UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon bekannt, dass Saudi-Arabien Finanzierungszusagen für zahlreiche UNO-Programme zurückziehen werde, sollte ein Bericht der Vereinten Nationen über die Verletzung von Kinderrechten veröffentlicht werden.

In dem Bericht der UNO wird vernichtende Kritik an Saudi-Arabien geübt. „Der Bericht beschreibt Schrecken, die kein Kind erleben sollte“, sagte im Juni Ban Ki Moon. Allerdings müsse er auch die „reale Gefahr berücksichtigen, dass Millionen von anderen Kindern leiden würden, wenn – wie mir angetragen wurde – einige Länder die Finanzierung von UN-Programmen einstellen“. Die Saudis waren somit erfolgreich mit ihrer Erpressung.

 

[Text: B. T.; Bild: Ludovic Courtès/wikimedia.org]