Weniger als fünf Stunden nach Gründung der neuen saudischen Antikorruptionsbehörde unter Leitung von Kronprinz und Königssohn Mohammed bin Salman hat dieser faktische Herrscher des Landes zugeschlagen: Elf Prinzen der königlichen Dynastie Saud, vier amtierende sowie Dutzende von früheren Ministern wurden wegen Korruption in Haft genommen. Ein königlichen Dekret sprach von einer Notwendigkeit zur „Ausmerzung“ dieses faktischen Grundpfeilers des bisherigen Staates, ansonsten würde das Königreich „nicht existieren“.

Bis vor kurzem gab es noch überhaupt keine Inhaftierungen von Prinzen, und es wirkte schon wie eine Sensation, als der erste subalterne Prinz wegen Mordes vor Gericht kam und dann auch noch zum Tode verurteilt wurde. Der jetzige Paukenschlag hat allerdings eine ganz andere Dimension: Nun geht es den mächtigsten aller Prinzen direkt an den Kragen. Diese gehören dabei jeweils Zweigen der Familie an, die mit dem heutigen König und dem Kronprinzen um die Macht im Lande konkurrieren.

Der bekannteste Inhaftierte ist Alwalid bin Talal, Enkel des Staatsgründers Abdulaziz und des libanesischen Unabhängigkeitspräsidenten Riad Solh. Als Besitzer der „Kingdom Holding“, deren Name ihm Programm schien, galt er mit seinem zunächst in den USA gemachten Vermögen von wohl über 30 Milliarden Dollar als reichster Araber weltweit. Das emblematische Hauptgebäude seiner Holding, der Kingdom Tower, prägt die Silhouette von Riad, und gerade baut der Investor an einer gigantischen Umgestaltung der heiligen Stätten Mekka und Medina. Alwalid gehören unter anderem größere Anteile von Amazon und Ebay, Apple, McDonald’s, Murdochs News Corporation, Procter & Gamble, Walt Disney, WorldCom, der Hotelkette Four Seasons und dem New York Plaza Hotel sowie mehreren im arabischen Raum einflussreichen Fernsehkanälen. In der Öffentlichkeit stilisierte sich der für seine Extravaganz bekannte Prinz gerne als Selfmade-Man US-amerikanischen Zuschnitts und von den saudischen Sitten emanzipierter Querdenker. Zudem betrieb er seine eigene „Neben-Außenpolitik“ und pflegte enge Kontakte insbesondere zu den Regierungen Englands und Frankreichs, die bis heute ihren Platz auf der Arabischen Halbinsel beanspruchen.

 

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[Bild: U.S. Department of State/flickr]