Nun ist also in Österreich von Neuem eine Debatte über die „Schächterei“ entbrannt, zu der auch die Bundesregierung inzwischen unterschiedlich Stellung bezogen hatte. Soll es also erlaubt sein, zur Herstellung koscheren Fleisches Tieren bei Bewusstsein die Kehle zu durchtrennen und sie anschließend ausbluten zu lassen?

Einerseits hat das Tieropfer eine jahrtausendealte Tradition, deren Wurzel in atavistischen, „vorkulturellen“ Gebräuchen ruht. Auch spielt es insofern tief in die abendländische Kultur ein, als etwa das gesamte Liturgieverständnis des Christentums – vor allem des Katholizismus – auf einem Opfergedanken fußt: In jeder Wandlung wird das Kreuzesopfer Christi auf unblutige Weise vergegenwärtigt und erneuert. Zwar kommt es dabei zu keiner blutig-rituellen körperlichen Hinrichtung, dennoch aber liegen diesem metaphysischen Ritus Opfer- und Sühnegedanken jahrtausendealter, blutiger Opferkulte zu Grunde – man denke an verwaiste „Sündenböcke“ und Opferlämmer.

Andererseits differenziert unser Zivilrecht sehr wohl zwischen „Sachen“ und „Tieren“. So liest man in §285a: „Tiere sind keine Sachen; sie werden durch besondere Gesetze geschützt.“ Dieser Paragraph tritt nach juristischer Auslegung mit einem sogenannten „Appellcharakter“ an den Normadressaten heran, mit Tieren einen besonders achtvollen Umgang zu wahren. Auch Heinz-Christian Straches Wortmeldung etwa beruht auf dieser Grundhaltung, wenn er meint: „Das Schächten steht vielerorts im Widerspruch zu geltenden Tierschutzrechten. Schächten sollte generell ohne vorherige Betäubung verboten sein. ... Und Tiere sind auch keine Sache, sondern schützenswerte Lebewesen, welche nicht gequält werden dürfen!“

In summa jedenfalls wäre ein Schächtverbot – wie in der Schweiz oder Holland – gewiss nicht von Nachteil. Es reduziert nicht nur das Tierleid, es bekräftig auch die Überwindung eines letzten Restes archaischer Sitten in unserer ohnedies schlaffen, dekadenten, abendländischen Zivilisation, der sowieso nicht hierher gehört. Warum also nicht?

[Text: A.L.; Bild: Wikipedia.org]