In Umfragen liegt die SPD deutlich unter der 20-Prozent-Marke, und nun, nach der Einigung mit der Union über die Neuauflage der „GroKo“, fliegen bei den Genossen die Fetzen. Grund ist, dass Noch-Parteichef Martin Schulz – der ein diplomatisches Gespür hat wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen – Außenminister wird. Und gegen Schulz erhebt der scheidende Außenminister Sigmar Gabriel schwere Vorwürfe. Das beliebteste Regierungsmitglied der SPD spricht von „Wortbruch“.

In einem Interview mit Zeitungen der Funke-Mediengruppe klagte Gabriel über den respektlosen Umgang mit seiner Person. Er sagte, er sei gern Außenminister gewesen und habe dieses Amt auch in den Augen der Bevölkerung gut geführt. Daher sei es jetzt klar, so Gabriel, „dass ich bedauere, dass diese öffentliche Wertschätzung meiner Arbeit der neuen SPD-Führung herzlich egal war.“ Und der scheidende Außenminister fügte hinzu: „Was bleibt, ist eigentlich nur das Bedauern darüber, wie respektlos bei uns in der SPD der Umgang miteinander geworden ist und wie wenig ein gegebenes Wort noch zählt“.

Als Schulz im Jänner 2017 von Gabriel die Funktion des SPD-Vorsitzenden übernahm, wurde über eine Abmachung zwischen Gabriel und Schulz kolportiert. Demnach verzichtete Gabriel auf Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur bei der Bundestagswahl, wenn er bei einer Neuauflage der schwarz-roten Koalition Außenminister bleibt.

Wer sich auf jeden Fall freut, dass die SPD-Spitze mutmaßlich ihr Wort gebrochen hat, ist Gabriels kleine Tochter. Denn diese sagte laut Gabriel, „Papa, jetzt hast Du doch mehr Zeit mit uns. Das ist doch besser als mit dem Mann mit den Haaren im Gesicht“. Mit dem „Mann mit den Haaren im Gesicht“ ist Schulz gemeint.

[Text: B. T.; Bild: Wikipedia/Hildenbrand MSC; Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Germany]