Der Bürgermeister und der Vorsitz in der Wiener SPÖ stehen im Frühjahr zur Disposition. Michael Häupl wird sich aus der Politik zurückziehen und beide Funktionen abgeben.

Der Wohnbaustadtrat Michael Ludwig hat bereits vor einigen Wochen seine Kandidatur angekündigt, nun will Andreas Schieder es ihm gleichtun.

In der gespaltenen Wiener SPÖ repräsentiert Ludwig den rechten Flügel und hat die Unterstützung der großen Bezirke, der Gewerkschaft und der Parlamentspräsidentin Bures. Das ist der linken Rathaus-Gruppierung um Brauner und Frauenberger ein Dorn im Auge. Die Frauentruppe der Wiener Rathaus-SPÖ will die linke Hegemonie mit Vassilakous Grünen nicht aufgeben.

Da kommt ihnen die Kandidatur Schieders gerade recht., schließlich ist er der Vater von Sonja Wehselys Kind. Also fast einer der ihren. Wehsely musste bekanntlich den Stadtratssessel räumen, nachdem in ihrem Ressort Unregelmäßigkeiten mit Fördergeldern für islamische Kindergärten aufgedeckt wurden.

Schieder ist aber auch noch aus einem ganz anderen Grund ein willkommener Kandidat. Er kann, wie es schon Häupl gelungen ist, in Wien Stimmen von den Grünen abziehen. Ein Wahlkampf mit der Strategie, einen blauen Bürgermeister zu verhindern, würde wohl einen ähnlichen Effekt haben wie bei der letzten Landtags- und Gemeinderatswahl in Wien 2015 und wie auch bei der Nationalratswahl 2017.

Der FPÖ kann es recht sein. Ludwig würde enttäuschte SPÖ-Wähler von der FPÖ zurückgewinnen, Schieder eher nicht. Der hat auch schon erklärt, mit der FPÖ keinesfalls eine Koalition eingehen zu wollen. Die vom damaligen SPÖ-Vorsitzenden und Bundeskanzler Franz Vranitzky initiierte Ausgrenzungspolitik, welche die FPÖ stark gemacht hat, setzt sich fort. Somit könnten die Blauen wohl bald einen der nächsten Wiener Bürgermeister stellen.

[Text: W. T.; Bild: Parlamentsdirektion / PHOTO SIMONIS]