Selten genug, aber manchmal dennoch, sollte man sich fragen, ob die ORF-Zwangsgebühren ihr Geld nicht doch wert sind! Einen solchen Anlass gab der ORF am Sonntagabend: Wer sich nämlich zur wöchentlichen Diskussionssendung „Im Zentrum“ vor dem Flimmerschirm einfand und noch nicht die zeitlich gebotene Müdigkeit verspürte, vielleicht sogar mit dem Gedanken spielte, sich pharmazeutisch in den Schlaf zu hieven, dem wurde von „ORF 2“ ausnahmsweise kostenfrei eine Schlafpille aus biologischer Bodenhaltung ohne „unerwünschte Nebenwirkungen“ zur Verfügung gestellt: Der ÖVP-EU-Abgeordnete Othmar Karas.

Um die narkotische Wirkung nicht zu sehr zu vermindern, durfte er – entgegen seiner Wichtigkeit – auch direkt zur linken – Standort richtig verortet! – der Moderatorin Platz nehmen. Und obwohl die plätschernde Monotonie der Stimmlage eine Analyse der „Statements“ fast verunmöglicht, wollen wir dennoch versuchen, die abgründigen Laute mit entsprechender Sorgfalt zu entschlüsseln:

So riet der kluge Othmar der deutschen Bundeskanzlerin gleich zu Beginn der Sendung, Seehofer aus der Regierung zu entlassen und mit den Grünen zu paktieren – na, wenn der Othmar das sagt, aber glatt! Denn „das darf nicht sein, was hier in Deutschland passiert!“ Ja, ja, wenn „innerstaatliche Spiele auf Kosten der Europäischen Union“ ausgetragen werden, versteht der kluge Othmar keinen Spaß!

Doch nicht nur Seehofer, auch das „Einstimmigkeitsprinzip“ ist dem klugen Othmar mit der Bernsteinbrille und dem Slim-fit-Schlips ein Dorn im Auge. Die Frage der Moderatorin, ob man es abschaffen sollte, war ihm nicht bestimmt genug: So hustete er aus seiner gemischten Gemütsverfassung voller Inbrunst und Zorn: „in allen Bereichen!“ Wen kümmern schon die Befindlichkeiten kleiner Staaten!

Geradezu amüsant aber mutete Othmars Plädoyer gegen Steuerbetrug an. Hätte er diesen Rat doch bloß seinem Vorgänger gegeben!

Wenn der ORF sich also dazu entschließen könnte, den klugen Othmar jeden Abend zwischen 22.00 und 23.00 Uhr als „Sandmännlein für Großjährige“ auszustrahlen, überlege man doch glatt, das derzeitige Gebührensystem beizubehalten – aber nur dann! Die Apotheken werden fluchen!

[Text: A.L.; Bild: Wikipedia.org/Thomas Ledl; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Austria]