Spiele der Nationen, Wettkämpfe der Völker, das sind sie längst nicht mehr, jene internationalen Sportereignisse, die sich da unter dem Titel „Olympische Spiele“, „Weltmeisterschaften“ oder, wie gegenwärtig, „Europameisterschaften“ den begeisterten Publikum darbieten. Längst sind es nicht mehr die schnellsten, die stärksten und gewitztesten Söhne der europäischen Völker, die sich hier beispielsweise bei einer Fußball-Europameisterschaft ins Getümmel werfen. Es sind vielmehr „Multikulti-Teams“ (so dieser Tage die Tageszeitung „Die Presse“), die hier aufeinander treffen. Multikulti-Teams, die bestenfalls ein Abbild der zeitgenössischen Zuwanderungsgesellschaften darstellen und einmal mehr deutlich machen, dass der Sport ebenso wie etwa die Pop-Szene ein Mittel sein kann für die Integration und auch den sozialen Aufstieg aus der sozialen Deklassierung und des Migrationsmilieus.

Jene patriotischen, wenn nicht gar chauvinistischen Emotionen aber, die bei derlei sportlichen Wettkämpfen frei werden, stellen im Grunde geradezu ein Paradoxon dar. Da werden „Nationalmannschaften“ abgefeiert, die mit der herkömmlichen Nation, für die sie antreten sollen, nur mehr sehr am Rande zu tun haben. Am deutlichsten wird dies, wenn vor dem jeweiligen Spiel die jeweilige Nationalhymne abgespielt wird, die von den Spielern aus den autochthonen Bevölkerungsteilen begeistert mitgesungen wird, während die Spieler mit Migrationshintergrund sie nur allzu häufig tonlos und mit steinerner Miene über sich ergehen lassen.

Wenn etwa Alaba und Arnautovic zu „Heimat bist du großer Söhne …“ demonstrativ schweigen, ebenso wie Özil und Boateng dies zu „Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland …“ tun, so wohnt dieser Geste beziehungsweise der Verweigerung einer Teilhabe an derselben ein gewisses Maß an Ehrlichkeit inne.

 

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[Bild: Elke Wetzig (Elya)/wikimedia.org]