Wien ohne Fiaker wäre wie Paris ohne Eiffelturm. Schlimmer sogar. Viel schlimmer. Geradezu unvorstellbar. Kein schönerer Laut in der verwinkelten, alten Inneren Stadt als der scharende Hufschlag eines trabenden Pferde-Gespanns. Und wenn er dann übers Kopfsteinpflaster zieht, der Kutscher mit seinen Rappen, steht man für einen Augenblick still und wartet, ob nicht vielleicht doch ein hochdekorierter k.u.k. Offizier um die Ecke biege.

Ach, die Fiaker gehören zu Wien wie der Steffl und die Schrammeln, wie der Wein und Johann Strauß, wie der Prater und die Donau, wie die Oper und das Burgtheater. Auch werden sie seit jeher von der leichten Muse in Beschlag genommen.

Man denke etwa ans „Fiakerlied“, das schon zu Kaisers Zeiten gesungen wurde. Oder man denke an den Filmklassiker „Hallo Taxi“, darin Hans Moser die motorisierten Gefährte verdammt und in Gegnerschaft zu Paul Hörbiger, der sich der Technik und der Zeit verschriebt, justament seine Fiaker einspannt.

Nur ein kleiner Ausschnitt der unerschöpflichen Rezeptionsgeschichte des Wiener „Kutschertums“. Und damit soll jetzt plötzlich Schluss sein! Endgültig! Ein für alle Mal. Fordern zumindest die Wiener Grünen und einige selbsternannte „Tierschützer“.

Begründung: „Tierquälerei.“ Argumente:

  1. „Die Sommer-Temperaturen sind zu hoch.“ – Aha, und in den vergangenen 300 Jahren waren sie niedrig genug?
  2. „Die Pferde stehen zu lange am Stand.“ – siehe Argument Nr. 3
  3. „Die Pferde werden den ganzen Tag unter Höllentemperaturen durch die Innenstadt gehetzt.“ – Was jetzt? Hetze oder Stand?
  4. „Schleppen Sie doch mal drei Touristen an einem Zügel durch die Wiener Innenstadt!“ – Ein Pferd, liebe GrünInnen, ist kein Mensch. Es ist ein Nutztier mit einer für diese Aufgaben prädestinierten Körperstruktur.
  5. „Der Autolärm macht die Pferde ur-nervös!“ Na gut, dann meinetwegen raus mit den Wägen aus der Innenstadt und sechzig neue Fiaker hinein. Dann wäre nicht nur die Abgasbelastung deutlich gesenkt, dann gäbe es auch keinen Autolärm mehr und das Klima wär‘ auch gerettet.

Also: Seit jeher galoppieren Pferde durch die Wiener Innenstadt und bis jetzt ist noch keines dabei zu Schaden gekommen. Im Gegenteil: Sie werden ärztlich geprüft, von ihren Haltern umsorgt und fühlen sich vermutlich nicht allzu unwohl, solange ihnen nicht eine wilde Horde brüllender Demonstranten den Weg versperrt.

[Text: A.L.; Bild: Wikipedia.org/Sebastian Schreiber; Lizenz: CC BY-SA 3.0]