Quasi seit dem Amtsantritt des amerikanischen Präsidenten beschallen uns unsere Medien europaweit unisono mit täglichen Berichten, was der vermeintliche Stümper im Weißen Haus nun wieder angestellt hat, wie gefährlich dies alles sei, insbesondere hinsichtlich des Weltklimas oder eines Dritten Weltkrieges und überhaupt: Die Unterstützung seitens des US-amerikanischen Elektorats sei im freien Fall, traurige Cowboys wenden sich in Scharen von Donald T. ab, streuen sich Asche aufs Haupt und zerkratzen sich aus Verzweiflung die Brust, weil sie nicht auf die Journalisten von Zeit oder ARD gehört hatten.

Selbst das magere Abschneiden Marine LePens wurde dem Desaster in Washington zugerechnet, und manche Medien meinten bereits, dass Trump der Totengräber des Rechtspopulismus wäre. Und dann, eher versteckt, kommen dieselben Medien dann doch nicht umhin zu berichten, dass es in Amerika selbst doch etwas anders zu laufen scheint. So fanden letzte Woche Nachwahlen zum Kongress in den Bundesstaaten Georgia und South Carolina statt – fünf Monaten nach Trumps Amtsantritt. Hoffnungsfroh blickte die europäische Systempresse und war sich sicher, dass der Pöbel nunmehr seine Lektionen gelernt habe – doch siehe da: Die Republikaner setzten sich souverän gegen massiv unterstützte demokratische Kandidaten durch – und dies obwohl Trump zur Wahl der Grand Old Party aufgerufen hatte. Welche Lehren sollte man in Europa, konkret in Österreich, das demnächst zu den Urnen gerufen wird, daraus ziehen?

Zunächst, dass es tatsächlich so etwas gibt wie eine europäische Systempresse, die bestimmte Interessen vertritt – und diese Interessen sehen diese Medien durch Politiker wie Präsident Trump in Gefahr. Eine Rücksichtnahme auf die Systempresse ist auch aus strategischen Gründen völlig unangebracht, allenfalls könnten kurzfristig taktische Allianzen angedacht werden. Zweitens könnte der Schluss gezogen werden, dass das Bild, das uns von Trumps Amerika vermittelt wird, in etwa so realistisch zu sein scheint, wie es die Berichte über den „unterirdischen“ Wahlkampf Trumps gewesen waren. Drittens, dass man trotz medialem Trommelfeuer Wahlen gewinnen kann – wenn die eigenen Botschaften über alternative
Kanäle gespielt werden.

Auf Österreich übertragen hieße dies, dass einerseits das konsequente Bearbeiten ureigener Themen gerade nach einem Wahlsieg der Freiheitlichen bzw. der Übernahme von Regierungsverantwortung weitergeführt werden muss und dass andererseits eine konsequente, ernst gemeinte neue Medien- und Kulturpolitik nötig ist.

 

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[Bild: opposition24.de/flickr]