Kardinal Schönborn ist ohne Zweifel heillos unterfordert. Und weil in den Diözesen vom Süden Kärntens bis an die niederösterreichische Grenze alles in bester Ordnung ist, konzentriert er sich in jüngsten Interviews nahezu ausschließlich auf politische Fragen. Das ist zwar nicht ganz sein Thema, aber besser als nichts! So deponierte er im Ö1-Gespräch folgendes: „In einer Gesellschaft, in der es möglich ist, Mindestsicherungsbezieher global als Sozialschmarotzer zu bezeichnen, ist etwas in Schieflage". Hat zwar niemand getan, aber wen kümmern schon so feine Unstimmigkeiten!

Und weiter: Die FPÖ habe ihrem Wähleranspruch als Partei der kleinen Leute nicht Genüge getan. Daher die Kirche als Korrektiv: „Wir treten ganz entschieden dafür ein, dass nicht am untersten Rand der Gesellschaft gespart wird.“ Wissen, wir Eminenz. Der „unterste Rand“ war der Kirche immer ein Anliegen! Maßnahmen dieser Art dürften nach jüngsten Ausführungen des Kärntner Domkapitels in Gurk-Klagenfurt schon seit längerem konsequent verfolgt worden sein. Auch dem armen, unterentlohnten Society-Pater Anton ‚Toni‘ Faber, der häufiger hinterm Buffet der Seitenblicke-Gesellschaft anzutreffen ist als hinterm Alter, wurde seitens der Wiener Erzdiözese nur mit einer bescheidenen, kleinen Dachgeschosswohnung am Stephansplatz aus seiner tristen, finanziellen Lage als Normalbürger verholfen. Wenn doch nur die Politik auch so intensiv in den „untersten Rand der Gesellschaft“ investieren könnte wie die Kirche, wär alles paletti!

Zu schade, dass die Regierung nur Familienzuschüsse und Steuererleichterungen fokussiert, anstatt Innenstadtwohnungen mit Dachterrasse für photogene Kleriker bereitzuhalten. Der „unterste Rand“ kommt eben immer zu kurz!

Nachtrag: Kardinal Schönborn dürfte wohl bei der Silvesteransprache dasselbe Manuskript verwendet haben. Die Inhalte lagen nicht gerade weit auseinander.

 

[Text: A.L.; Bild: Wikipedia/Th1979; Lizenz: CC BY-SA 3.0]